Norwegens Solveig Gulbrandsen jubelt über das 1:0 gegen Holland. © dpa - Bildfunk Foto: Patric Soderstrom

Gruppe B

Gulbrandsen bringt Norwegen auf Kurs

Ines Bellinger, sportschau.de

Norwegen hat nach einem mageren Remis zum Auftakt die Weichen in Richtung Viertelfinale gestellt. Der zweimalige Europameister besiegte Deutschland-Schreck Holland mit 1:0.

Der zweimalige Europameister Norwegen ist wieder da und auf dem besten Weg, einmal mehr das Viertelfinale einer EM zu erreichen. Nach dem mageren 1:1 gegen Island zum Auftakt in der Gruppe B besiegten die Skandinavierinnen am Sonntag in Kalmar die niederländische Nationalmannschaft, die Titelverteidiger Deutschland zum Auftakt ein 0:0 abgetrotzt hatte, mit 1:0 (0:0). Die im vergangenen Jahr reaktivierte Solveig Gulbrandsen brachte die Mannschaft von Trainer Even Pellerud mit ihrem Tor in der 54. Minute auf Kurs. "Ich kenne sie seit so vielen Jahren, und sie war schon immer mein Boss auf dem Platz", sagte Pellerud über Gulbrandsen. "Sie hat eine Mentalität, die ich liebe." Die Skandinavierinnen, die bislang nur bei der EM 1997 in der Vorrunde gescheitert sind, können mit vier Punkten nun beruhigt in das letzte Gruppenspiel am Mittwoch (17.07.13) gegen die punktgleichen DFB-Frauen gehen, die Island mit 3:0 besiegten. Die Niederländerinnen brauchen einen Sieg gegen Island, um sich die Chance aufs Weiterkommen zu erhalten. "Wir wissen nun, was wir zu tun haben: Wir müssen gegen Island gewinnen", sagte Bondscoach Roger Reijners.

Viel taktisches Geplänkel

Zweikampf zwischen Hollands Lieke Martens (l.) und Norwegens Ada Hegerberg © dpa - Bildfunk Foto: Patric Soderstrom

Lieke Martens (l.) kam gegen Norwegen nicht so zum Zug wie gegen Deutschland.

Die beiden Halbfinalisten von 2009 waren taktisch glänzend aufeinander eingestellt. Das hatte zur Folge, dass die Teams in der ersten Hälfte sehr verhalten agierten. Der niederländische Trainer Roger Reijners hatte nach dem bemerkenswerten 0:0 gegen Deutschland ebenso dieselbe Startelf ins Rennen geschickt wie Pellerud, obwohl er nach dem 1:1 gegen Island weniger zufrieden war als sein Gegenüber. Die Skandinavierinnen übernahmen sofort die Initiative, und den aus dem schwedischen Nachbarland angereisten Fans blieb schon nach zehn Minuten der Torschrei im Halse stecken. Marit Christensen köpfte nach einer Ecke von Ingvild Stensland präzise aufs Tor, doch Sherida Spitse klärte auf der Linie. Wie schon gegen die DFB-Frauen brauchten die Holländerinnen einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Ihre einzige Stürmerin Manon Melis hing zumeist in der Luft und musste sich viele Bälle selbst aus dem Mittelfeld holen. Doch je länger das Spiel lief, desto besser kombinierte die "Vrouwenelftal". Melis bereitete schließlich die beste Chance für das diesmal in Weiß spielende "Oranje"-Team vor der Pause vor. Ihren Pass in den Lauf von Dyanne Bito verwertete die wieder sehr offensiv agierende Rechtsverteidigerin aus spitzem Winkel, doch Norwegens Torhüterin Ingrid Hjelmseth war zur Stelle (32.).

Mama Gulbrandsen erlöst Norwegen

Nach Wiederanpfiff nahm Norwegen richtig Fahrt auf. Zunächst verfehlte Caroline Hansen das Tor mit einem Flachschuss aus 16 Metern nur um Zentimeter (46.). Zwei Minuten später wurde die Potsdamer Stürmerin Ada Hegerberg von Anouk Hoogendijk elfmeterreif gefoult, doch die Pfeife der rumänischen Schiedsrichterin Teodora Albon blieb stumm. Kurz darauf köpfte Abwehrchefin Christensen den Ball nach einer Flanke von Hansen an den Pfosten (51.) Ein Tor für Norwegen schien in dieser Sturm- und Drangphase nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Und so war es auch. Gulbrandsen lief mit dem Ball am Fuß in den holländischen Strafraum und hämmerte die Kugel aus zehn Metern unter die Latte. Es war das 48. Tor im 165. Länderspiel für die Frau, die schon beim Olympiasieg in Sydney dabei war und nach der Geburt ihrer zwei Kinder im vergangenen Jahr ihr Comeback in der Nationalelf gefeiert hatte.

Hjelmseth sichert den Sieg

Die Holländerinnen lösten sich nun aus ihrem starren taktischen Korsett und drängten auf den Ausgleich. Doch eine Frau stand ihnen bei ihren Bemühungen ständig im Weg: die starke Torhütern Ingrid Hjelmseth. In der 64. Minute lenkte sie einen abgefälschten Ball von Renee Slegers über die Latte. Und auch als ihre Vorderleute ein Tohuwabohu vor ihrem Kasten veranstalteten, bereinigte sie die Situation, indem sie die Finger gerade noch an einen Kopfball von Hoogendijk bekam (79.). Die Holländerinnen warfen nun alles nach vorn und Norwegen musste bis zum Schluss um die drei Punkte zittern.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 28.07.2013, 15.20 Uhr

Stand: 14.07.13 23:22 Uhr