Frankreichs Wendie Renard (l.) bejubelt einen Treffer. © imago/Kamerapress Foto: Kamerapress

Gruppe C

Frankreich spaziert, England muss packen

Ines Bellinger, sportschau.de

England ist nach einer 0:3-Niederlage gegen Frankreich in der Vorrunde ausgeschieden. Der EM-Finalist von 2009 enttäuschte auf der ganzen Linie. Frankreich sollte in dieser Form weit kommen.

Hoch gehandelt, tief gefallen: Die englischen Fußballerinnen müssen nach der EM-Vorrunde in Schweden ihre Koffer packen. Der EM-Finalist von 2009 verlor am Donnerstag (18.07.13) in Linköping mit 0:3 (0:1) gegen Topfavorit Frankreich und beendete das Turnier mit einem mageren Punkt als Letzter der Gruppe C. Frankreich, das schon vor der Partie als Gruppensieger festgestanden hatte, zog als einzige Mannschaft mit drei Siegen ins Viertelfinale ein und trifft am Montag (22.07.13/20.45 Uhr) ebenfalls in Linköping auf Dänemark. Über den Viertelfinalgegner musste kurz vor Mitternacht in Norrköping das Los entscheiden, weil Russland nach dem 1:1 gegen Spanien als Dritter der Gruppe C punktgleich mit Dänemark, dem Dritten der Gruppe A, war. Nach der Entscheidung am grünen Tisch stand zugleich fest, dass Gastgeber Schweden gegen Island am Sonntag (22.07.13/20.45 Uhr) in Halmstad um den Einzug ins Halbfinale kämpft.

Bini vertraut seiner Reserve

Während England in diesem Alles-oder-nichts-Spiel ein hohes Risiko gehen musste, konnte Frankreich angesichts des bereits feststehenden Gruppensieges experimentieren. Trainer Bruno Bini schonte neben Stammtorhüterin Sarah Bouhaddi auch Camille Abily, Marie-Laure Delie, Laura Georges und Elise Bussaglia. Amandine Henry absolvierte nach ihrer Verletzung ihr erstes Spiel bei dieser EM. Englands Trainerin Hope Powell ließ im Mittelfeld überraschend Jill Scott auf der Bank und brachte Karen Carney. Im Sturm spielte Toni Duggan, die nach ihrer Einwechslung das 1:1 gegen Russland erzielt hatte. Die angeschlagene Rekordschützin Kelly Smith musste ebenso wie Rekordnationalspielerin Rachel Yankey (Oberschenkelzerrung) auf der Bank Platz nehmen.

England wehrt sich nicht einmal

Englands Nationaltrainerin Hope Powell © imago / Revierfoto

Trieb ihr Team vergeblich an: Englands Trainerin Hope Powell.

Wer angesichts der Konstellation in der Gruppe C ein bedingungsloses Anrennen der Engländerinnen erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Frankreich stellte trotz der vielen Wechsel seine Extraklasse unter Beweis und spielte den Rivalen von der Insel nach allen Regeln der Kunst aus. Mit derselben Leichtigkeit, mit der die "Equipe Tricolore" bereits das 3:1 gegen Russland und das 1:0 gegen Spanien eingefahren hatte, kombinierte das Team auch gegen die Engländerinnen. Und die leisteten nicht einmal in puncto Einsatz und Willen Widerstand. Als Eugenie Le Sommer in der achten Minute den Ball an den Pfosten schoss, schaute die englische Abwehr ebenso tatenlos zu wie beim Führungstor der "Blauen", als die pfeilschnelle Elodie Thomis in den Strafraum sprintete und für Le Sommer auflegte (9.). Kapitän Sandrine Soubeyrand (19.) und Mittelfeldstar Louisa Necib (22.) hätten das Ergebnis schon vor der Pause in die Höhe schrauben können.

Doppelschlag bringt die Entscheidung

Frankreichs Louisa Necib © dpa - Bildfunk Foto: Stefan Jerrevang

Louisa Necib traf in ihrem 100. Länderspiel.

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit war Frankreich, nun mit Abily und Bussaglia, drückend überlegen. Einzig die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig. Nach fast genau einer Stunde gab es ein Lebenszeichen von England: Toni Duggan gab den ersten Torschuss der "Three Lionesses" ab. Powell spielte angesichts der ärmlichen Vorstellung ihrer Mannschaft nun die letzte Trumpfkarte aus, brachte die angeschlagene Smith ins Spiel (61.). Kurz darauf war die Partie entschieden. Necib krönte ihr 100. Länderspiel mit dem 2:0 (62.). Zwei Minuten später erzielte Abwehrchefin Wendie Renard nach einer Necib-Ecke per Kopf das dritte Tor. England war zu schwach, um gegen den übermächtigen Gegner noch einmal zurückzukommen. Seit nun fast 39 Jahren haben die Kickerinnen aus dem Mutterland des Fußballs nicht mehr gegen die "Grande Nation" gewonnen. "Wir hatten es nicht verdient weiterzukommen", twitterte Smith am späten Abend.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 28.07.2013, 15.20 Uhr

Stand: 18.07.13 23:36 Uhr