Celia Okoyino da Mbabi (v.) erzielt das 3:0 gegen Island © imago/Kamerapress

Deutsches Team

DFB-Team: Drei Tore und ein Hochzeitsfall

Hanno Bode, sportschau.de

Das deutsche Team hat die Hoffnungen auf die Titelverteidigung durch das überzeugende 3:0 gegen Außenseiter Island genährt. Herausragende Akteurin war Celia Okoyino da Mbabi, deren Name im Frauenfußball bald Geschichte sein wird.

Noch steht es in den Sternen, welchen Ausgang die EM für das deutsche Team nehmen wird. Zwei Auftritte so unterschiedlich wie Tag und Nacht geben Rätsel über das wahre Leistungsvermögen des Titelverteidigers auf. Eines steht aber bereits jetzt fest: Der Name Celia Okoyino da Mbabi wird nach der Endrunde in Schweden im Frauenfußball Geschichte sein. Nie wieder wird sich der Trikotbeflocker des Ausrüsters Kopfzerbrechen bereiten müssen, wie der lange Nachname der Angreiferin auf den Rücken ihres Jerseys zu bekommen ist. Vorbei sein werden die Zeiten, in denen Reakteure verzweifelt versuchten, die 14 Buchstaben in eine Überschrift zu quetschen. Nun ist Okoyino da Mbabi weit davon entfernt, ihre Karriere mit 25 Jahren zu beenden. Die Tochter eines Kameruners und einer Französin wird schlichtweg einen anderen Nachnamen annehmen - den ihres zukünftigen Ehemanns Marko Sasic. "Ich werde nach der EM heiraten", hatte die Angreiferin bereits vor dem Turnierstart der "Bild" verraten. Bevor sie mit dem 32-jährigen Sohn des früheren Duisburg-Trainers Milan Sasic vor den Altar treten wird, soll es jedoch in Schweden noch aufs Podest gehen.

Neid: "Celia ist sowas von wichtig für uns"

Und die Aussichten dafür sind nach dem zweiten Gruppenspiel der DFB-Auswahl gegen Island (3:0) wieder etwas rosiger, dass dies gelingt. Zum einen, weil das Team den großen Druck offenbar in positive Energie umgewandelt hat. Zum anderen, weil Okoyino da Mbabis beide Tore darauf hoffen lassen, dass die zukünftige Angreiferin des FFC Frankfurt nun wieder wie in der Qualifikation (17 Tore) fast nach Belieben trifft. Bundestrainerin Siliva Neid macht den Wert ihrer Schlüsselspielerin für die Mannschaft allerdings nicht nur an Toren fest. "Celia ist sowas von wichtig für uns. Auch wenn sie mal nicht trifft, sie ist aktiv und agil, reißt die Mitspielerinnen mit und ist immer positiv", lobte die 49-Jährige ihre Stürmerin, die von der UEFA zur "Spielerin des Spiels" gekürt wurde.

Große Last auf Schultern der Stürmerin

Die Last auf den Schultern von Okoyino da Mbabi ist groß. In Abwesenheit von sechs verletzten Stammkräften ist die EM auch für die Studentin der Kulturwissenschaft eine Art "Forschungssemester", muss sie die vielen Youngster an die Hand nehmen wie ein Professor seine Erstsemester. "Jung und wild" sei die Mannschaft, aber eben auch "hungrig auf Erfolg", hatte die gebürtige Bonnerin im Vorfeld der Endrunde erzählt. Und dann kam diese Auftaktpartie gegen die Niederlande (0:0), in der die DFB-Auswahl eher zahm und satt wirkte, Nerven und Gegner nicht im Griff hatte. Okoyino da Mbabi selbst fand auch schwer ins Turnier, rieb sich in vorderster Front ohne nennenswerte Unterstützung auf. Es war zu befürchten, dass die EM für den Titelverteidiger unter dem Motto: "Jugend forscht erfolglos" stehen könnte.

"Das war eine Steigerung"

Die Reaktion auf den schwachen Auftritt und das Echo war beeindruckend. Gegen Island zeigte Deutschland wieder den Mut und die Unbekümmertheit aus den Vorbereitungsspielen, setzte den Gegner permanent unter Druck und fand zur Passsicherheit zurück, die gegen das "Oranje"-Team noch gefehlt hatte. Auch wenn der überforderte Kontrahent kein richtiger Maßstab war und nicht alles traumwandlerisch sicher gelang, eine Initialzündung für den weiteren Turnierverlauf könnte diese Partie allemal gewesen sein. Mehr aus psychologischer denn fußballerischer Sicht. Denn an der sportlichen Qualität der Mannschaft bestehen ohnehin keine Zweifel. "Das war eine Steigerung. Wir haben drei wichtige Punkte mitgenommen, zu Null gespielt, drei Tore geschossen, uns deutlich verbessert im Gegensatz zum letzten Spiel und den Gegner deutlich dominiert", analysierte Okoyino da Mbabi treffend.

43 Tore in 81 in Länderspielen

Die Angreiferin, die nach neun Jahren beim SC 07 Bad Neuenahr nun für den FFC Frankfurt auflaufen wird, ist auf den Spuren von Rekordnationalspielerin Birgit Prinz (128 Treffer in 214 Länderspielen). Mit ihren Toren gegen Island schraubte sie ihre Bilanz auf 43 Treffer in 81 Einsätzen hoch. Und das mit 25 Jahren. Messen möchte sich die bodenständige Okoyino da Mbabi dennoch nicht mit Deutschlands bester Fußballerin aller Zeiten. "Einen Vergleich mit Birgit sollte niemand ziehen. Ich bin froh, dass ich diese gute Entwicklung genommen habe. Aber es gibt für mich noch einiges zu tun, damit ich noch besser werde", sagte sie nach der Island-Partie und betonte, "noch ein paar Jährchen" spielen zu wollen. Dann allerdings unter dem Namen Sasic. Ob die Stürmerin nun als Europameisterin oder traurige Heldin vor den Altar treten wird, ist noch ungewiss. Klar ist nur, dass ihr Trikot mit der Nummer 13 und dem gequetschten Okoyino da Mbabi auf dem Rücken schon jetzt hohen Sammlerwert hat.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 28.07.2013, 15.20 Uhr

Stand: 15.07.13 12:39 Uhr