Dzsenifer Marozsan jubelt. © dpa-bildfunk Foto: Bjorn Larsson Rosvall

Angriff

Dzsenifer Marozsan: Auf dem Sprung zur Chefin

Dzsenifer Marozsan gilt als Jahrhunderttalent. Die Offensiv-Allrounderin mit der außergewöhnlich guten Technik könnte die neue Chefin im DFB-Team werden.

Dzsenifer Marozsan gilt als Jahrhunderttalent im Frauenfußball, doch die Möglichkeit, das auf der ganz großen Bühne zu zeigen, blieb ihr bisher verwehrt. Bei der EM in Schweden ruhen die deutschen Hoffnungen auch auf der 21 Jahre alten Offensiv-Allrounderin vom 1. FFC Frankfurt. Nach durchwachsenen Leistungen in der Vorrunde und einer Denkpause im Viertelfinale schwang sich Marozsan zur Taktgeberin im Halbfinale gegen Schweden auf und schoss das DFB-Team mit ihrem Tor ins Endspiel. Ihr siebtes Länderspieltor war das bislang wichtigste in ihrer Karriere.

Vater Janos spielte für Saarbrücken

"Maro" hat die Fußball-Gene von ihrem Vater geerbt. Janos Marozsan war ungarischer Nationalspieler. Und als er 1996 beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken anheuerte, zog die Familie mit dem neunjährigen David und der vier Jahre alten Dzsenifer von Budapest ins Saarland um. Fußballspielen musste Dzsenifer zunächst heimlich. "Meine Mama wollte nicht, dass ich mit aufgeschlagenen Knien nach Hause komme." Doch ihr außergewöhnliches Talent blieb irgendwann auch ihrer Mutter nicht verborgen.

Bundesliga-Debüt mit 14

Steckbrief Dzsenifer Marozsan

Position: Angriff
Trikotnummer: 10
Verein: 1. FFC Frankfurt
geboren am: 18. 4. 1992 in Budapest
Größe: 172 cm
Gewicht: 68 kg
Länderspiele: 48
Länderspieltore: 25
Länderspiel-Debüt: 28. Oktober 2010 gegen Australien (2:1)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U20-Weltmeisterin 2010

Nach ihrem Wechsel von DJK Burbach zum 1. FC Saarbrücken lief Maroszan am 18. November 2006 als 14-Jährige erstmals in der Bundesliga auf. Damit ist sie die jüngste Fußballerin in der höchsten deutschen Spielklasse. Die Filigrantechnikerin durchlief alle Auswahlmannschaften, wurde U17-Europameisterin (2008), und U20-Weltmeisterin (2010). 2008 holte sie bei EM und WM auch die Torjägerkrone. Bei der U20-Weltmeisterschaft 2012 wurde sie als beste Spielerin mit dem Goldenen Ball ausgezeichnet. Da spielte sie schon drei Jahre für den 1. FFC Frankfurt. Ihr Vertrag am Main läuft noch bis 2016. In der DFB-Geschäftsstelle hat sie eine kaufmännische Ausbildung absolviert.

Talent reift zur Führungsspielerin

Ihre Premiere in der A-Nationalmannschaft hatte Marozsan schon im Oktober 2010 beim 2:1 gegen Australien gefeiert. Sie fieberte der Heim-WM entgegen. Doch der Traum platzte jäh: Anfang Mai 2011 zog sie sich einen Innenbandriss zu, später wurde noch ein Meniskusschaden diagnostiziert. Doch sie kam zurück, um eine Erfahrung reicher und stärker als zuvor. Beim Algarve-Cup im EM-Jahr schwang sie sich zur Denkerin und Lenkerin im deutschen Spiel auf, eine klassische Zehnerin. Marozsan - gefürchtet auch an der Playstation - verfügt wie ihr Vorbild Cristiano Ronaldo über eine brillante Schusstechnik. Sie hat so manchen Freistoß und auch schon eine Ecke direkt verwandelt. Für ihr Alter agiert sie außergewöhnlich abgeklärt. Hier und da streut sie auch mal ein technisches Kabinettstückchen ein, aber nur noch, wenn es der Mannschaft hilft. Das Talent reift langsam zur Führungsspielerin.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 28.07.2013, 15.20 Uhr

Stand: 28.07.13 22:11 Uhr