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Stina Lykke Petersen: Elfmeter-Heldin wider Willen

Dänemark steht erstmals im Finale einer Frauenfußball-EM. Großen Anteil am Einzug der Skandinavierinnen ins Endspiel hatte dabei ihre Torhüterin.

Es war ja nicht so, dass Stina Lykke Petersen einem möglichen Elfmeterschießen im EM-Semifinale gegen Österreich entgegengefiebert hätte. Obgleich die dänische Torfrau in den vergangenen Jahren zu einer Spezialistin im Entschärfen von Strafstößen geworden ist, hoffte sie während der Verlängerung inständig, um die "Penalty-Lotterie" herumzukommen. "Eine Viertelstunde vor dem Ende dachte ich: 'Bitte schießt ein Tor'. Ich hatte kein gutes Gefühl, was den Ausgang eines Elfmeterschießens angeht", verriet die 31-Jährige später. Ihre Zweifel erwiesen sich als unangebracht. Denn nachdem Laura Feiersinger Österreichs ersten Penalty in Richtung Tribüne gejagt hatte, parierte Lykke Petersen die Versuche von Viktoria Pinther sowie Verena Aschauer und avancierte so zur Heldin Dänemarks, das sich vom Punkt aus mit 3:0 durchsetzte. "Es ist fantastisch, unglaublich. Sie hat schon so oft Elfmeter gehalten, das ist kein Zufall mehr", lobte Trainer Nils Nielsen seine Keeperin.

"Habe mich auf meine Intuition verlassen"

Recht hat der 45-Jährige. Bereits bei der EM vor vier Jahren in Schweden hatte die Schlussfrau von sich Reden gemacht, als sie im Viertelfinale gegen Frankreich (5:3 nach Elfmeterschießen) den Penalty von Louisa Necib abwehrte und so großen Anteil am Weiterkommen ihrer Mannschaft hatte. Auch für ihre verschiedenen Clubs (unter anderem spielte sie für den 1. FC Köln sowie den MSV Duisburg) entschärfte die in Odense lebende Physiotherapie-Studentin so manchen Strafstoß. Gegen Österreich folgten nun die zwei wichtigsten Paraden ihrer Laufbahn. "Ich habe mich auf meine Intuition verlassen", erklärte die nur 1,74 Meter große Keeperin.

Patzer gegen Deutschland schnell verarbeitet

Coach Nielsen bescheinigte Lykke Petersen, "mental stark" zu sein und verwies dabei auf das Viertelfinal-Duell mit Deutschland (2:1). Gegen den Titelverteidiger hatte sich die frühere Bundesliga-Keeperin nach 180 Sekunden einen harmlosen Schuss von Isabel Kerschowski mehr oder minder selbst ins Gehäusse geworfen und damit ein Bewerbungsschreiben für den "schönsten" Torhüterinnen-Patzer der EM abgegeben. Dass sie sich von diesem Fauxpas aber nicht aus der Ruhe bringen ließ und anschließend mehrfach glänzend parierte, beeindruckte. "Sie hat das sofort abgeschüttelt und sich während des Spiels gesteigert", sagte Nielsen. Auch dank Lykke Petersen, die bereits in der Vorrundenpartie gegen Norwegen (1:0) einen Elfmeter hielt, "kommt der Traum nun näher", wie die Schlussfrau sagte. Sollte die 31-Jährige auch am Sonntag im Finale gegen die Niederlande (17 Uhr, im Live-Ticker bei sportschau.de) über sich hinauswachsen, stehen Dänemarks Chancen auf den ersten EM-Titel fraglos ganz gut.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 03.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 04.08.17 12:25 Uhr