Die deutsche Nationalspielerin Sara Doorsoun (M.) setzt sich gegen die Russinnen Margarita Tschernomyrdina (l.) und Elena Morosowa (r.) durch. © imago/foto2press Foto: Oliver Zimmermann

Porträt

Sara Doorsouns langer Weg ins Glück

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Der Vater kommt aus dem Iran, die Mutter aus der Türkei - und Tochter Sara Doorsoun ist deutsche Nationalspielerin. Gegen Russland feierte die gebürtige Kölnerin am Dienstag (25.07.2017) ein ganz starkes EM-Debüt. Seit Steffi Jones Bundestrainerin ist, hat sie ihren Platz im Mittelfeld des Nationalteams gefunden. Ein Porträt.

Sara Doorsouns Weg in die A-Nationalmannschaft war lang, obwohl er eigentlich früh vorgezeichnet schien. Schon in der U15 lief das Mädchen aus dem Rheinland für Deutschland auf. "Ein anderes Land kam für mich nie infrage", erzählt die 25-Jährige, deren Eltern aus dem Iran (Vater) und der Türkei (Mutter) kommen. 2012 wechselte die Mittelfeldspielerin, die zuvor bei Fortuna Köln und Wattenscheid kickte, von Bad Neuenahr zu Turbine Potsdam - und machte dort auch Bundestrainerin Silvia Neid auf sich aufmerksam. Erstmals nominiert wurde Doorsoun, mittlerweile zur SGS Essen gewechselt, allerdings erst 2015. Und der Traum vom ersten Länderspiel-Einsatz wurde noch einmal eineinhalb Jahre später wahr. Ein fester Teil des Nationalteams ist die gebürtige Kölnerin, seit Steffi Jones das Ruder von Neid übernommen hat. Am Dienstag überzeugte sie vollauf bei ihrer EM-Premiere gegen Russland. "Ich bin so froh, dass Steffi mir das Vertrauen geschenkt hat", sagte Doorsoun sportschau.de

Ihre Einstellung: "Immer top-professionell"

Essens Cheftrainer Daniel Kraus, der im vergangenen Sommer von Jena nach Essen gewechselt ist, schätzt besonders die Vielseitigkeit der Nationalspielerin. "Durch ihre Zweikampfstärke ist sie sehr flexibel einsetzbar", erklärt Kraus sportschau.de. Der nur acht Jahre ältere Coach setzte die 25-Jährige meist in der Innenverteidigung ein. Unter Jones hat Doorsoun in der Mittelfeldraute eine offensivere Aufgabe. Kraus: "Sara kann sich sehr schnell auf taktische Vorgaben einstellen, das ist wichtig für sie und die Trainer." Doorsoun spiele einfach, sei sehr schnell und "ihre Einstellung immer top-professionell". Nach ihrem Abstecher zum damaligen deutschen Meister Potsdam ist Doorsoun in Essen heimisch geworden - und hat gerade ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement abgeschlossen.

Doorsoun führt Essenener EM-Trio an

Die Essenerinnen Sara Doorsoun (l.) und Linda Dallmann (r.) im Kampf mit Gina Lewandowski (FC Bayern) © imago/Nordphoto

Sara Doorsoun (l.) und Linda Dallmann (r.) für die SGS Essen.

Im EM-Kader stehen neben Doorsoun in Lisa Weiß und Linda Dallmann noch zwei weitere Essenerinnen. Während Weiß in den Niederlanden als Ersatztorhüterin noch nicht zum Einsatz gekommen ist, zeigte Dallmann gegen Italien einen starken Auftritt und wurde von der UEFA zur Spielerin des Spiels ernannt. Dass seine Spielerinnen von Jones für die EM nominiert wurden, überraschte ihren Vereinstrainer nicht. Als Sechster absolvierten die Essenerinnen eine gute Saison. Mit Doorsoun hatte Kraus fest gerechnet: "Sara hat unter Steffi Jones eigentlich immer gespielt - und das Feedback war positiv." In den 13 Länderspielen unter der neuen Bundestrainerin kam Doorsoun achtmal zum Einsatz, sechsmal von Beginn an. Damit führt sie das Essener EM-Trio an. Auf einen Treffer wartet Doorsoun, die im Verein durchaus torgefährlich ist, allerdings noch. Aber vielleicht hat sie sich den ja für den weiteren EM-Verlauf aufgehoben.

Traum vom Kicken in den USA

Auch ein Traum wartet noch darauf, Wirklichkeit zu werden. "Seit ich mit der U15 mal in Los Angeles war, heule ich meinen Eltern damit die Ohren voll, dass ich unbedingt mal in den USA Fußball spielen will", sagte Doorsoun sportschau.de. "Im Urlaub war ich schon da - und ich mag das Land einfach." Mit weiteren starken Auftritten wie gegen Russland würde sie lautstark Werbung in eigener Sache betreiben. Ihr Vertrag im Ruhrgebiet läuft nur noch bis 2018.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | UEFA-Frauen-EM | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 26.07.17 12:41 Uhr