Lieke Martens (r.), Sherida Spitse

EM-Vorrunde, Gruppe A

"Oranje" feiert den Frauenfußball

Begeisterte Zuschauer im Stadion, Hunderttausende an den TV-Geräten. In den Niederlanden ist Begeisterung für den Frauenfußball ausgebrochen. Dem erfolgreichen Heimteam sei Dank.

Anouk Dekker stand mit dick bandagiertem Kopf in der Mixed-Zone und war zum Scherzen aufgelegt. "Alles klar, der Kopf ist ja noch dran", antwortete die niederländische Defensivspielerin auf die Frage des Reporters, wie es ihr denn jetzt so gehe, nach dem harten Spiel gegen Belgien. Dekker hatte in der ersten Hälfte nach einem Zusammenprall eine Platzwunde am Schädel davongetragen. Machte nach rund zehnminütiger Nähpause dann aber weiter. Die "Elftalerinnen", wie sie in ihrer Heimat genannt werden, geben im Moment buchstäblich alles für ihren Sport.

Nun gegen Deutschland oder Schweden

2:1 gewannen die Niederländerinnen das Nachbarschaftsduell - holten sich damit drei Siege aus ihren drei Gruppenspielen. Ins Viertelfinale zogen sie damit souverän als Gruppensieger ein. Und treffen nun auf Deutschland oder Schweden. "Ich würde mich freuen, wenn es gegen meine alten Vereinskolleginnen aus Schweden gehen würde", meinte nach der Partie Linksaußen Lieke Martens.

Die technisch versierte Stürmerin vom FC Barcelona hat ein paar Jahre Vereinsfußball in Skandinavien hinter sich. Drei Jahre in Deutschland bei Bayern München spielte zuletzt ihre Teamkollegin Viv Miedema. Und sie wünscht sich - klar - Deutschland als Gegner. "Ich kenne sie alle. Würd mich schon freuen, gegen sie anzutreten."

Vorn so stark wie kein anderes Team

Ob Schweden oder Deutschland - für den kommenden Gegner dürften die Gastgeberinnen eine enorm hohe Hürde darstellen. Denn das niederländische Team spielt bei der Heim-EM so stark auf wie noch nie zuvor. Die Offensive um Linksaußen Martens, Rechtsaußen Shanice van de Sanden, Mittelstürmerin Miedema und Standard-Schützin Sherida Spitse ist höchst gefährlich. Kein anderes Team bei dieser EM dürfte vorn derart stark besetzt sein.

"Die Leute lieben plötzlich Frauenfußball"

Und die Niederländerinnen spielen mit Begeisterung und Risikofreude Offensivfußball. So schön, dass in ihrem Heimatland eine ganz neue Begeisterung für den Frauenfußball ausgebrochen ist. 11.000 Fans strömten gegen Belgien ins Stadion in Tilburg, die Stimmung war beeindruckend. "Das Wichtigste an dieser ganzen Sache ist, dass es sich um Frauenfußball dreht. In der Vergangenheit wurde Frauenfußball in den Niederlanden hingenommen. Jetzt beginnen die Leute diesen Sport zu lieben. Das dürfte sehr wichtig für die Entwicklung unseres Sports sein", meinte die niederländische Trainerin Sarina Wiegman nach dem Spiel.

Die neue Begeisterung für Frauenfußball in den Niederlanden - diese wird auch der Gegner im Viertelfinale am Samstag (29.07.17) zu spüren bekommen.

Fußball UEFA-FRAUEN-EM 2017
Belgien : Niederlande

24.07.17 20:45 Uhr, Spieltag 3 · Vorrunde, Gruppe A

Belgien

Odeurs - Deloose, Zeler, Jaques, Coutereels (46. Vanmechelen) - Van Gorp (57. Coryn), Onzia (76. Daniels), De Caigny, Philtjens - Cayman, Wullaert

1

Niederlande

Van Veenendaal - Van Der Most, Dekker, Van Der Gragt, Van Es - Groenen (80. Roord), Van De Donk (75. Zeeman), Spitse - Van De Sanden, Miedema (86. Lewerissa), Martens

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 1:2 (0:1)

Tore

Strafen

Bes. Vorkommnisse

Ort

  • Tilburg

Zuschauer

  • 12697

Schiedsrichter

  • Bibiana Steinhaus (Hannover)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 20.07.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 24.07.17 22:48 Uhr