Hintergrund

Mit Gottes Segen: Österreich im siebten Himmel

Österreichs Fußballerinnen verzaubern ihre Heimat. Tausende drücken dem Team beim Public Viewing die Daumen, die TV-Quoten sind überragend. Sogar in einem Kloster wird mit der Mannschaft mitgefiebert.

Am Tag nach ihrer nächsten Sensation bei der EM in den Niederlanden konnten die österreichischen Fußballerinnen ihr Glück immer noch nicht fassen. "Can someone please wake me up?" ("Kann mich bitte jemand aufwecken?") schrieb beispielsweise Mittelfeldakteurin Sarah Zadrazil am Montagmittag (31.7.17) auf ihrer Facebook-Seite und versah den Eintrag mit dem Hasthag #whendreamscometrue. Andere Spielerinnen wie Keeperin Manuela Zinsberger, die Heldin aus dem Elfmeterschießen gegen Spanien, waren ob des vor Endrunden-Beginn nicht für möglich gehaltenen Halbfinal-Einzugs schlichtweg "sprachlos". Statt vieler Worte hatte die Schlussfrau des FC Bayern München direkt im Anschluss an das Duell mit den Ibererinnen viele Tränen verloren. Wie ein Schlosshund heulte die 21-Jährige, deren parierter Strafstoß von Silvia Meseguer den krassen Außenseiter in die nächste Runde katapultierte. "Es ist unglaublich, was meine Mannschaft hier wieder gezeigt hat", erklärte sie später dem "Österreichischen Rundfunk" ("ORF").

Thalhammer-Team sorgt für TV-Traumquoten

Zinsberger und Co. hatten dem Sender am Sonntagabend (30.7.17) eine "Traumquote" ("Kleine Zeitung") beschert. Bis zu 1,2 Millionen Zuschauer verfolgten den Semifinal-Krimi gegen Spanien an den Bildschirmen. Das sei der Fußball-Topwert seit dem Duell des Männer-Teams bei der EM im vergangenen Jahr mit Island (1,678 Millionen), teilte der "ORF" mit. Hinzu kamen noch viele Tausend Menschen, die sich beim Public Viewing gemeinsam den nächsten Streich der Equipe von Teamchef Dominik Thalhammer ("Ich bin stolz, der Trainer dieser Mannschaft zu sein") anschauten. So etwa in der kleinen niederösterreichischen Marktgemeinde Niederhollabrunn, in der sich rund 700 der etwa 1.500 Einwohner im Traubengarten Winkler einfanden und das Spiel auf einer Großbildleinwand verfolgten. Ganz besonders drückten sie dabei Zinsberger die Daumen, die aus Niederhollabrunn stammt. Ihre Tante Doris Winkler ("Wir hatten hier eine richtige Stadionstimmung") ist Inhaberin des Traubengartens, der am Donnerstag (3.8.17) ganz gewiss wieder zum Anziehungspunkt für die örtlichen Fußballfans wird, wenn die Alpenrepublik in der Vorschlussrunde auf Dänemark trifft.

EM für Stürmerin Makas wohl beendet

Die österreichische Nationalspielerin Lisa Makas (l.) weint nach ihrer verletzungsbedingten Auswechslung gegen Spanien © imago/GEPA pictures

Lisa Makas (l.) zog sich im Spiel gegen Spanien eine Knieverletzung zu.

Doch nicht nur in Niederhollabrunn, sondern im ganzen Land ist inzwischen eine große Euphorie um das Thalhammer-Team ausgebrochen. Sogar die Mönche der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald fiebern mit Österreichs Fußballerinnen mit. Über den Internetauftritt des Klosters wünschten sie der Mannschaft und ganz besonders Stürmerin Lisa Makas "viel Erfolg bei der EM und vor allem Gottes Segen". Die Angreiferin des MSV Duisburg hat ihre Ausbildung zur Restaurant-Fachfrau im Klostergasthof absolviert und dabei unter anderem 2007 für den damaligen Papst Benedikt gekocht, als dieser Österreich besuchte. Der Beistand von oben half der 25-Jährigen persönlich allerdings nur bedingt. Gegen Spanien musste sie in der 42. Minute mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden und wird ihrem Team wohl weder am Donnerstag gegen Dänemark noch in einem möglichen Endspiel am Sonntag (6.8.17) zur Verfügung stehen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 03.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 31.07.17 15:36 Uhr