Frauenfußball-Bundestrainerin Steffi Jones © imago/Revierfoto

Deutsches Team

Jones will weitermachen - DFB lässt Zukunft offen

von Hanno Bode, sportschau.de

Steffi Jones verschwendet trotz der frühzeitigen Scheiterns Deutschlands bei der EM in den Niederlanden keinen Gedanken daran, ihren Posten als Bundestrainerin aufzugeben.

Geschockt und traurig wirkte die 44-Jährige, als sie sich nach der überraschenden 1:2-Pleite am Sonntag (30.7.17) in Rotterdam gegen Dänemark den Fragen der Pressevertreter stellte. "Wir hatten ein großes Ziel vor Augen, haben heute aber ernüchtert festgestellt, dass Träume nicht immer wahr werden", sagte die frühere Weltklasse-Verteidigerin. "Es ist bitter, weil wir nicht hätten verlieren müssen", ergänzte Jones mit Blick auf die Partie und warf ihrer Mannschaft Ineffizienz und mangelnde Souveränität im Duell mit dem Außenseiter vor. Persönliche Konsequenzen schloss die Bundestrainerin nach der gescheiterten "Mission Titelverteidigung" aus. "Natürlich will ich weitermachen. Das steht außer Frage. Ich habe diesen Posten ja nicht angenommen, um dann gleich beim ersten Rückschlag aufzugeben", erklärte Jones im Interview mit dem ARD-Hörfunk: "Ich bin wahnsinnig glücklich und froh, Bundestrainerin sein zu dürfen und möchte das auch weiterhin sein."

Erschwerte Bedingungen nach Amtsübernahme

Die ehemalige Verteidigerin hatte im vergangenen Jahr die Nachfolge von Silvia Neid angetreten, die das DFB-Team in ihrer langen Amtszeit (von 2005 bis 2016) zum WM-Sieg 2007, zwei Europameisterschaften sowie dem Olympiasieg geführt hatte. Jones' Berufung auf den Posten überraschte, zumal sie zuvor noch keinerlei Erfahrung als Cheftrainerin gesammelt hatte. "Ich kann Steffi gut leiden, aber wenn sie nicht einen sensationellen Mitarbeiterstab bekommt, wird sie einen ganz schweren Stand haben", befürchtete Turbine Potsdams Trainer-Legende Bernd Schröder, dass Jones an der Aufgabe scheitern würde. Allerdings musste die Neid-Nachfolgerin auch unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Leistungsträgerinnen wie Annike Krahn, Saskia Bartusiak und Melanie Behringer beendeten nach Rio ihre Nationalmannschafts-Karrieren. Andere Leistungsträgerinnen wie Simone Laudehr oder Alexandra Popp konnten verletzungsbedingt nicht mit zur EM fahren.

Trainerin macht sich durch "Rotationswahn" angreifbar

Jones hatte bereits im Vorfeld der Endrunde darauf hingewiesen, dass das Turnier eigentlich "zu früh" für ihre junge Mannschaft käme. Nichtsdestotrotz formulierte sie den Titelgewinn als Ziel. Während der Gruppenphase sorgte die 44-Jährige dann mit ständig wechselnden Anfangsformationen für etwas Verwunderung. Im Viertelfinale gegen Dänemark fiel die Rotation mit lediglich zwei Änderungen zwar klein aus. Doch offensichtlich war, dass im Team gewisse Automatismen nicht griffen. Vielleicht auch, weil die Mannschaft durch die Personalrochaden nicht ausreichend eingespielt war. "Natürlich werde ich mich und meine Entscheidungen auch hinterfragen und sehen, was ich besser hätte machen können. Ich bin die erste, die mich kritisiert, bevor alle anderen jetzt kommen", sagte sie.

Vertrag bis 2018 - Grindel kündigt Analyse an

Jones' Vertrag ist bis 2018 datiert. Ob sie die Mannschaft auf das nächste große Turnier, die Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich, noch vorbereiten darf, ist aber ungewiss. DFB-Präsident Reinhard Grindel vermied unmittelbar nach dem EM-Aus jedenfalls ein Treuebekenntnis zur Neid-Nachfolgerin. "Es war sicher nicht alles schlecht bei dieser Europameisterschaft. Wir werden nunmehr in aller Ruhe, unabhängig von der aktuellen Enttäuschung über das Ausscheiden, mit allen Beteiligten analysieren und überlegen, was zu tun ist, damit unsere Frauen-Nationalmannschaft wieder an frühere Erfolge anknüpfen kann", wird der 55-Jährige auf "dfb.de" zitiert.

 

Stand: 30.07.17 16:01 Uhr