Die Schweizer Torhüterin Gaelle Thalmann (l.) kann einen Treffer Frankreichs nicht verhindern. © imago/VI Images

EM-Vorrunde, Gruppe C

Frankreich wendet Blamage gegen die Schweiz ab

von Uli Petersen, sportschau.de

Titel-Mitfavorit Frankreich hat nur mit viel Mühe und Glück das EM-Viertelfinale erreicht. Gegen den mutigen Debütanten Schweiz gelang am Mittwochabend (26.07.2017) in Unterzahl erst in der Schlussphase der erlösende Ausgleich zum 1:1 und damit der Sprung auf Platz zwei in Vorrundengruppe C.

Die Eidgenössinnen waren beim Schlusspfiff von Schiedsrichterin Katalin Kulcsar aus Ungarn zwar am Boden zerstört, können aber mit etwas Abstand stolz sein auf die in der letzten Gruppenpartie gezeigte Leistung - auch wenn der Traum vom Einzug ins Viertelfinale nicht wahr wurde. In dem von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg vor dem Anpfiff als "Spiel des Jahres" titulierten Duell mit Frankreich hatten sich die Schweizerinnen auf den Punkt topfit gezeigt. Am Ende aber reichten die Kräfte nicht ganz, um gegen den erfahrenen Gegner zu bestehen. "Wir waren so kurz davor. Ich hoffe, meine Mannschaft lernt daraus. Wir müssen jetzt nach vorne schauen", sagte Voss-Tecklenburg nach dem Spiel.

Frankreich muss sich in der K.o.-Runde deutlich steigern, wenn der Traum vom EM-Titel weiterleben soll. Im Viertelfinale treffen "Les Bleus" als Zweiter der Gruppe C am Sonntag (30.07.2017) im Stadion De Adelaarshorst in Deventer auf das erstplatzierte Team der Gruppe D. Wer das sein wird, entscheidet sich in den letzten Vorrundenspielen zwischen Portugal und England sowie Schottland und Spanien am Donnerstag (27.07.2017, 20.45 Uhr, im Livestream auf ONE und sportschau.de).

Platzverweis spielt der Schweiz in die Karten

Im Rat Verlegh Stadion in Breda entwickelte sich zu Beginn eine recht zerfahrene Partie. Frankreich hatte in der Anfangsphase deutlich mehr Ballbesitz und tat auch mehr fürs Offensivspiel. Die Schweiz agierte dagegen abwartend und setzte auf Kontergelegenheiten - die boten sich gegen ballsichere Französinnen zunächst nicht. Nach 15 Minuten nahm die Begegnung aber Fahrt auf - und wie. Die Schweizer Torhüterin Gaelle Thalmann parierte mit einem klasse Reflex einen 13-Meter-Schuss von Claire Lavogez (15.). Auf der anderen Seiten überschlugen sich dann die Ereignisse: Eve Perisset griff gegen die alleine auf sie zustürmende Ramona Bachmann zur Notbremse und sah dafür von Referee Kulcsar zu Recht die Rote Karte (17.). Den anschließenden Freistoß zirkelte Martina Moser aus dem rechten Halbfeld perfekt auf die in der Strafraummitte lauernde Ana-Maria Crnogorcevic vom 1. FFC Frankfurt, die den Ball per Kopf im rechten Winkel versenkte (19.).

Starke Paraden vor der Pause ...

Die Schweizer Torhüterin Gaelle Thalmann © imago/foto2press

Die Schweizer Torfrau Gaelle Thalmann stand gegen Frankreich im Mittelpunkt.

Der FIFA-Weltranglisten-Dritte Frankreich versuchte den überraschenden Rückstand und den Platzverweis wegzustecken, hatte aber gegen verbissen kämpfende Schweizerinnen rund um den gegnerischen Strafraum einen schweren Stand. Zudem hielt Thalmann im Kasten der Eidgenössinnen vor der Pause weiter stark - auch die Schüsse von Lavogez (25.) und Camille Abily (29.) parierte sie reaktionsschnell auf der Linie. EM-Debütant Schweiz beschränkte sich - in Überzahl und mit der Führung im Rücken - fast ausschließlich auf die Defensivarbeit. Lara Dickenmanns Schuss nach einem Konter entschärfte Frankreichs Torfrau Sarah Bouhaddi (41.), danach ging es in die Halbzeit.

... und ein entscheidender Patzer in der Schlussphase

Nach dem Seitenwechsel drückten die Französinnen immer mehr in Richtung Schweizer Strafraum. Denn eins war klar: Der Ausgleichstreffer würde Frankreich das Viertelfinal-Ticket bescheren und die Eidgenössinnen auf den undankbaren dritten Platz in der Vorrundengruppe C zurückwerfen. Bis 15 Minuten vor Schluss überstand der EM-Debütant die Sturm-und-Drangphase von "Les Bleus" unbeschadet, dann aber patzte ausgerechnet Thalmann entscheidend: Einen von Abily geschossenen Freistoß unterschätzte die Keeperin, der direkt auf sie zufliegende Ball rutschte ihr über die Hand ins Netz. Die vom Ausgleich geschockten Eidgenössinnen bemühten sich danach vor knapp 7.000 Zuschauern bis in die Nachspielzeit hinein um einen zweiten Treffer, ihr Anrennen hatte aber keinen Erfolg mehr. Nächstes Ziel: Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2019 - in Frankreich.

Fußball UEFA-FRAUEN-EM 2017
Schweiz : Frankreich

26.07.17 20:45 Uhr, Spieltag 3 · Vorrunde, Gruppe C

Schweiz

Thalmann - Crnogorcevic, Kiwic, Wälti, Maritz - Zehnder (80. Reuteler), Bernauer, Moser (65. Calligaris), Dickenmann - Bachmann, Aigbogun (79. Terchoun)

1

Frankreich

Bouhaddi - Perisset, Mbock Bathy, Renard, Karchaoui - Henry, Abily (87. Thiney), Geyoro - Diani (83. Houara), Lavogez (71. Delie) - Le Sommer

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 1:1 (1:0)

Tore

Strafen

Bes. Vorkommnisse

Ort

  • Breda

Zuschauer

  • 6711

Schiedsrichter

  • Katalin Kulcsár (Ungarn)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | FIFA Frauen WM 2019 | 30.07.2017 | 17:20 Uhr

Stand: 26.07.17 22:35 Uhr