Die schwedische Fußballerin Pia Sundhage (r.) im Zweikampf mit der deutschen Nationalspielerin Patrizia Brocker (Archivbild von 1995) © Witters Foto: Wilfried Witters

1984

Schweden holt den ersten Titel

Schweden entschied die EM-Premiere im Elfmeterschießen gegen England. Deutschland hatte die Entwicklung verschlafen und war nicht dabei.

Aller Anfang war schwer für die fußballspielenden Frauen. Bei der ersten Europameisterschaft 1984 gab es noch kein Turnier und keinen Gastgeber. Vier Mannschaften ermittelten das beste Team Europas in zwei Halbfinals und einem Endspiel mit Hin- und Rückspielen. Auch Deutschland hatte eine Mannschaft für die Qualifikation gemeldet. Doch sie konnte mit den damals dominierenden Skandinavierinnen und Italienerinnen nicht Schritt halten. Fünf Unentschieden und eine Niederlage gegen Dänemark (0:1) reichten nur zu Platz drei in der Qualifikationsgruppe.

Auch Englands Frauen mit schwachen Nerven

Dänemark war fürs Halbfinale qualifiziert, unterlag dort aber England (1:2, 0:1). Schweden löste das Endspielticket mit zwei Siegen gegen Italien (3:2, 2:1). Im Final-Rückspiel egalisierten die Engländerinnen mit einem 1:0-Sieg in Luton den Hinspielsieg der Schwedinnen von Göteborg. Doch im Elfmeterschießen behielt das Team um die heutige schwedische Nationaltrainerin Pia Sundhage die Nerven, siegte 4:3 und sicherte sich den ersten EM-Titel. Sundhage wurde mit vier Treffern Torschützenkönigin.

DFB verbietet Frauenfußball bis 1970

Für das gerade erst gegründete deutsche Team war es schon ein Erfolgserlebnis, dass es in seinen ersten Wettbewerbsspielen in der EM-Qualifikation keine Niederlage einstecken musste. Und das, obwohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Entwicklung im Frauenfußball völlig verschlafen hatte. Bis 1970 galt im DFB ein Frauenfußball-Verbot mit der bizarren Begründung, dass "diese Kampfsportart der Natur des Weibes im wesentlichen fremd ist" und dass "im Kampf um den Ball die weibliche Anmut schwindet und Körper und Seele unweigerlich Schaden erleiden".

Neid schießt zwei Tore bei Länderspiel-Premiere

Diese Spielerinnen standen am 10. November 1982 in Koblenz beim ersten Länderspiel einer deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz in der Startelf - stehend (v.l): Birgit Bormann, Monika Degwitz, Brigitte Klinz, Gaby Dlugi-Winterberg, Doris Kresimon, Kapitän Anne Trabant-Harbach; hockend (v.l.): Ingrid Gebauer, Bettina Krug, Torhüterin Marion Feiden, Rieke Koekkoek, Petra Landers. © picture-alliance / dpa Foto: Heinz Wieseler

Die deutsche Startelf beim ersten Länderspiel 1982.

Während andere Nationen in den 1970er-Jahren schon offizielle Nationalmannschaften gebildet hatten, geriet der DFB in Erklärungsnot, als er 1980 eine Einladung zur inoffiziellen Weltmeisterschaft nach Taiwan bekam. Kurzerhand reiste der damalige Meister SSG 09 Bergisch Gladbach nach Asien - und gewann das Turnier. Nun ging kein Weg mehr an einer deutschen Frauen-Auswahl vorbei. Gero Bisanz, damals Trainerausbilder an der Sporthochschule in Köln, wurde 1982 damit beauftragt, einen Kader zusammenzustellen. Es waren in der Hauptsache Spielerinnen aus Bergisch Gladbach, die am 10. November 1982 vor 5.000 Zuschauern in Koblenz das erste offizielle Länderspiel bestritten. Beim 5:1-Sieg gegen die Schweiz wurde in der 41. Minute eine 18-Jährige namens Silvia Neid eingewechselt. Die heutige Bundestrainerin startete ihre Karriere fulminant mit zwei Toren.

Stand: 02.07.13 09:26 Uhr