Tina Theune-Meyer (Archivbild aus dem Jahr 1996) © imago/Pressefoto Baumann

1997

Junges DFB-Team überrascht

Mit neuer Trainerin und einem jungen Team setzte sich Deutschland überraschend bei der EM 1997 in Norwegen und Schweden durch. Im Finale gab es ein 2:0 gegen Italien.

Die Europameisterschaft 1997 in Norwegen und Schweden markierte für die deutsche Nationalmannschaft eine Zeitenwende. Erstmals trat die DFB-Auswahl bei einem offiziellen Turnier nicht unter der Leitung von Gero Bisanz an. Der Coach war nach den Olympischen Spielen 1996 in den USA zurückgetreten, da die angepeilte Semifinal-Qualifikation misslang. Ihm folgte Tina Theune-Meyer, die Bisanz zuvor assistiert hatte. Doch nicht nur auf der "Kommandobrücke" gab es einen Wechsel. In Silvia Neid war auch die langjährige Taktgeberin auf dem Spielfeld nicht mehr mit an Bord. Die Regisseurin hatte kurz vor Turnierbeginn ihr Abschiedsspiel gegeben. Trotz dieser gravierenden Veränderungen gelang Deutschland der vierte EM-Sieg. "Wir haben mit einer jungen Elf den Titel überraschend verteidigt", freute sich Theune-Meyer.

Deutliche Siege in Play-offs gegen Island

Das DFB-Team war in der Qualifikationsgruppe 1 nur Zweiter hinter Norwegen geworden und musste in die Play-offs. In den Ausscheidungsspielen traf der Titelverteidiger in Island allerdings auf einen Kontrahenten, der nicht annähernd auf Augenhöhe war. Die beiden Duelle mit den Nordeuropäerinnen hatten für Deutschland mehr den Charakter von etwas intensiveren Trainingseinheiten. Das Hinspiel wurde 3:0 gewonnen, der zweite Vergleich endete mit einem 4:0 für den Favoriten.

Ungeschlagen ins Semifinale

Steffi Jones (Archivbild aus dem Jahr 1997) © imago/Bergmann Foto: Claus Bergmann

Organisierte die deutsche Abwehr: Steffi Jones.

Anders als bei den vorangegangenen Europameisterschaften wurden bei den Titelkämpfen in Norwegen und Schweden die Semifinalisten in einer Gruppenphase ermittelt. Acht Mannschaften kämpften in zwei Staffeln um die begehrten Vorschlussrunden-Tickets. Der DFB-Auswahl waren dabei in Italien, Norwegen und Dänemark starke Gegner zugelost worden. Ein vorzeitiges Scheitern schien nicht ausgeschlossen. "Wir müssen im ersten Spiel gegen Italien Selbstvertrauen tanken für die schweren Partien gegen Norwegen und Dänemark", forderte Theune-Meyer. Doch ihre Mannschaft brachte sich selbst um einen Sieg. Denn nachdem Maren Meinert kurz nach dem Seitenwechsel zum 1:0 traf (49.) und Federica D'Astolfo kurz darauf des Feldes verwiesen wurde (55.), kehrte der Schlendrian ein. Der Resultat war der Ausgleichstreffer durch Antonella Carta (71.). Im zweiten Gruppenspiel gegen Co-Gastgeber Norwegen gelang vor 7.666 Zuschauern in Moss ein 0:0, sodass im abschließenden Duell mit Dänemark ein Sieg Pflicht war, um die Halbfinalchancen zu wahren. Und dieser gelang dann auch. Monika Meyer (82.) und Birgit Prinz (90.) sorgten mit ihren späten Treffern für den 2:0-Erfolg, der das Weiterkommen sicherte. Den Gruppensieg sicherte sich Italien, das seine letzte Begegnung gegen Norwegen 2:0 gewann.

Wiegmann trifft zum Sieg gegen Schweden

In der Vorschlussrunde wartete auf das deutsche Team mit Schweden der Endspielgegner der EM 1995. Abermals lieferten sich beide Mannschaft ein umkämpftes Duell. Lange Zeit deutete vor 4.500 Zuschauern in Karlstad vieles auf eine Verlängerung hin, bis Bettina Wiegmann sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit per Heber für die DFB-Auswahl traf. Heldin des Tages war jedoch Keeperin Silke Rottenberg, die etliche schwedische Chancen vereitelte. Im zweiten Semifinale setzte sich Italien in Lilleström mit 2:1 gegen Spanien durch. Silvia Fiorini (11.) und Carolina Morace (29.) trafen für das Team von Coach Sergio Guenza, Angeles Parejo (89.) war für den Außenseiter erfolgreich.

Einseitiges Endspiel gegen Italien

Bettina Wiegmann mit dem EM-Pokal (Archivbild aus dem Jahr 1997) © picture-alliance/dpa

Leistungsträgerin im DFB-Team: Bettina Wiegmann.

Die Italienerinnen hatten - wie sich im Endspiel am 12. Juli in Oslo schnell zeigen sollte - im Turnierverlauf mehr Kraft gelassen als die junge deutsche Mannschaft. Die DFB-Auswahl wirkte mental und physisch frischer und hatte das Geschehen weitestgehend im Griff. Ein Freistoßtor von Sandra Minnert (22.) brachte den Titelverteidiger auf die Siegerstraße. Birgit Prinz sorgte kurz nach dem Seitenwechsel für die Entscheidung (49.). Italien fehlten Moral und Mittel, der Partie noch eine Wende geben zu können. "Wir sind noch nicht am Limit", stellte Theune-Meyer zufrieden fest. Ihr war es schneller als erwartet gelungen, aus dem Schatten von Bisanz zu treten, der immerhin 14 Jahre für die Geschicke der deutschen Frauen verantwortlich gezeigt hatte.

Stand: 03.06.13 12:21 Uhr