Die deutschen Fußballerinnen bejubeln den EM-Titel 2001 © imago/Sven Simon

2001

Golden Goal sorgt für DFB-Triumph

Ein Golden Goal von Claudia Müller bescherte Deutschland 2001 den Sieg bei der Heim-EM. Die Stürmerin traf in der 98. Minute des Endspiels gegen Schweden zum 1:0.

Es schien nicht der Tag der Claudia Müller zu sein. Gleich zwei große Chancen ließ die Angreiferin der deutschen Nationalmannschaft nach ihrer Einwechslung (55.) im EM-Endspiel gegen Schweden aus. "Trottelig" habe sie diese Gelegenheiten vergeben, sagte sie später. Doch aller guten Dinge waren für Müller an diesem 7. Juli 2001 im Ulmer Donaustadion drei. In der achten Minute der Verlängerung verwertete die gebürtige Bremerin - damals in Diensten des WSV Wendschott - eine Vorlage von Maren Meinert zum 1:0. Es war das erste und einzige "Golden Goal" in der Historie der Frauen-Europameisterschaft. Und es bescherte der DFB-Auswahl den fünften Titel.

Glücklicher Auftaktsieg gegen Schweden

Die deutsche Nationalspielerin Claudia Müller (r.) im Duell mit der Schwedin Karolina Westberg © picture-alliance/Sven Simon

Claudia Müller (r.) traf im Eröffnungsspiel doppelt.

Die Mannschaft von Trainerin Tina Theune-Meyer und Schweden bestritten bei der zweiten EM-Endrunde auf deutschem Boden nicht nur das End-, sondern auch das Eröffnungsspiel. 10.252 Zuschauer waren am 23. Juni im Erfurter Steigerwaldstadion Zeugen, wie die Gastgeberinnen zunächst mit dem Erwartungsdruck und ihrer Nervosität zu kämpfen hatten. Der Rückstand durch Hanna Ljungberg (14.) vergrößerte die Sorgenfalten auf Theune-Meyers Stirn zusätzlich. Müller konnte zwar kurz vor dem Seitenwechsel egalisieren (44.). Aber nach der Pause blieb Schweden zunächst das gefährlichere Team und besaß die besseren Gelegenheiten. Mit Glück und einer starken Silke Rottenberg im Tor überstand die deutsche Elf diese kritische Phase. Dass am Ende sogar noch ein Sieg heraussprang, lag an der überragenden Renate Lingor, die unermüdlich antrieb, sowie der Kaltschnäuzigkeit der DFB-Auswahl vor dem Gehäuse. Erneut Müller (65.) sowie Meinert (78.) sorgten mit ihren Treffern für den etwas glücklichen Erfolg des Titelverteidigers.

Schützenfeste gegen Russland und England

Die deutsche Nationalspielerin Sandra Smisek © imago/Picture Point

Sandra Smisek traf beim 5:0 gegen Russland doppelt.

Damit war der Grundstein für den Halbfinaleinzug bereits gelegt. Denn die weiteren Gruppengegner - das war bereits im Vorfeld klar - konnten dem Turnierfavoriten nicht das Wasser reichen. Russland wurde am 27. Juni in Erfurt dann auch nach leichten Anlaufschwierigkeiten beim 5:0 vorgeführt. Bettina Wiegmann (43.), Birgit Prinz (50.), Meinert (69.) und zweimal Sandra Smisek (73., 89.) trafen. Etwas besser zog sich England am 30. Juni in Jena aus der Affäre, unterlag der DFB-Auswahl aber auch chancenlos mit 0:3. Petra Wimbersky (57.), Wiegmann (65.) und Lingor (67.) waren für Deutschland erfolgreich. In der Gruppe B belegten Dänemark (sechs Punkte) und Norwegen (vier Zähler) die ersten beiden Ränge, wobei sich die Norwegerinnen nur aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber Italien für die Vorschlussrunde qualifizierten.

Zittersieg im Halbfinale

Die deutsche Nationalspielerin Birgit Prinz (l.) im Duell mit der Norwegerin Anne Bugge-Paulsen © imago/Pressefoto Baumann

Birgit Prinz (l.) bereitete das 1:0 gegen Norwegen vor.

Im Semfinale traf Deutschland am 4. Juli in Ulm auf den amtierenden Olympiasieger Norwegen. Bei tropischen Temperaturen hatten die Gastgeberinnen große Probleme, ins Spiel zu finden. Strafraumszenen blieben vor 13.524 Zuschauern Mangelware. Ein toller Antritt von Prinz, eine präzise Flanke sowie ein platzierter Kopfball von Smisek (57.) entschieden letztlich ein Duell auf Augenhöhe. "Das Endspiel wird genauso hart, obwohl wir den schwersten Gegner heute geschlagen haben", meinte Prinz anschließend. In besagtes Finale kam Schweden durch einen 1:0-Erfolg gegen Dänemark. Tina Nordlund hieß die Schützin des einzigen Treffers.

Joker Müller schießt das "Golden Goal"

Die deutsche Nationalspielerin Claudia Müller (M.) trifft im EM-Endspiel 2001 zum 1:0 gegen Schweden © imago/Pressefoto Baumann

Claudia Müller (M.) erzielte das 1:0 gegen Schweden.

Im Endspiel gehörte dem DFB-Team die Anfangsphase, Smisek hatte zweimal die Führung auf dem Fuß, vergab aber jeweils. Anschließend drängte Schweden auf das 1:0. Hätte Torhüterin Rottenberg nicht mehrfach ihre ganze Klasse unter Beweis gestellt, der Traum der Gastgeberinnen von der Titelverteidigung wäre vielleicht geplatzt. So aber schlug die große Stunde von Müller, die nach 55 Minuten für Smisek eingewechselt wurde und zunächst ebenso unglücklich wie ihre Vorgängerin agierte. Bis eben zu jener 98. Minute. "Das war die beste deutsche Elf, die es je gegeben hat", meinte Trainerin Theune-Meyer.

Stand: 03.06.13 16:38 Uhr