Jubel bei den deutschen Fußballerinnen nach dem EM-Sieg 1995 © imago/Sven Simon

1995

Deutschlands dritter Streich

Deutschland feierte 1995 den dritten EM-Titel. Im Finale in Kaiserslautern wurde Schweden mit 3:2 bezwungen. Der Stern der 17-jährigen Birgit Prinz ging auf.

Es schien sich alles verschworen zu haben gegen die deutsche Mannschaft an diesem 26. März 1995 in Kaiserslautern. Die ohnehin bereits geschwächte DFB-Auswahl - die Leistungsträgerinnen Doris Fitschen und Jutta Nardenbach fielen aus - geriet im Europameisterschaftsendspiel gegen Schweden durch Malin Andersson bereits nach sechs Minuten in Rückstand. 120 Sekunden später schoss Dagmar Pohlmann einen Strafstoß an den Pfosten. Grund genug eigentlich, die Köpfe hängen zu lassen. Aber das Team von Coach Gero Bisanz zeigte anschließend nicht nur eine bewundernswerte Moral, sondern auch sehr ansprechenden Fußball. Der Lohn der Mühen war ein 3:2-Erfolg, gleichbedeutend mit dem dritten EM-Titel.

Viertelfinalhürde Russland problemlos gemeistert

Der Weg zum Triumph war allerdings ein anderer gewesen als zuvor. Da im Juni 1995 die Weltmeisterschaft in Schweden ausgetragen wurde, verzichtete die UEFA auf eine EM-Runde. Die Viertelfinals und Vorschlussrunden-Partien - es gab jeweils Hin- und Rückspiel - wurden in den Ländern der teilnehmenden Mannschaften absolviert. Deutschland hatte in der Runde der letzten Acht Russland als Gegner und entledigte sich der Pflichtaufgabe problemlos. Zunächst gab es auswärts in Seljatino einen 1:0-Erfolg, vor heimischer Kulisse in Osnabrück wurde der überforderte Kontrahent dann mit 4:0 in die Schranken gewiesen.

England kein echter Prüfstein

Birgitt Austermühl (Archivbild aus dem Jahr 1995) © imago/HJS

Birgitt Austermühl und Co. zogen problemlos ins Finale ein.

Im Semifinale wartete mit England ein Gegner, der weitaus stärker einzuschätzen war als die Russinnen. "Die Britinnen sind kopfballstark und kommen mit weiten Pässen schnell in den Strafraum", warnte Co-Trainerin Tina Theune-Meyer vor den beiden Duellen. Es bestand allerdings auch kein Grund, in Ehrfurcht vor England zu erstarren, wie sich zeigen sollte. Auf der Insel, genauer genommen in Watford, siegte die Bisanz-Elf mit 4:1, beim zweiten Aufeinandertreffen in Bochum stand nach 90 Minuten ein 2:1 auf der Anzeigetafel. Apropos 90 Minuten. Erstmals wurden die EM-Spiele über diese Distanz ausgetragen. Zuvor hatte die Spielzeit 80 Minuten betragen.

Früher Rückstand im Finale gegen Schweden

Maren Meinert (Archivbild aus dem Jahr 1995) © imago/Kosecki

Maren Meinert traf im Endspiel zum 1:1.

Einen weitaus holperigen Weg ins Finale hatte Schweden. Das Team von Coach Bengt Simonsson stand bereits im Viertelfinale kurz vor dem Aus, als es in Dänemark 0:2 unterlag. Erst ein Kraftakt vor heimischer Kulisse, der mit einem 3:0-Sieg endete, brachte die Schwedinnen in die Vorschlussrunde. Dort hieß der Kontrahent Norwegen. Auch diesmal unterlag die Simonsson-Mannschaft auswärts (3:4), bevor sie vor eigenem Publikum die Wende herbeiführte. Mit einem 4:1-Erfolg wurde das Endspiel erreicht. In diesem erwischte Deutschland vor 9.000 Zuschauern in Kaiserslautern den besagt unglücklichen Start. Allerdings ließen sich die Gastgeberinnen trotz des frühen Rückstands sowie des verschossenen Elfmeters nicht von ihrer spielerischen Linie abbringen. Fußballerisch hinterließ die DFB-Auswahl über die gesamte Distanz den reiferen Eindruck. Einmal mehr war die Chancenverwertung das Manko. Einzig Maren Meinert traf vor der Pause ins Schwarze (32.).

"Joker" Prinz sticht

Birgit Prinz (M.) erzielt im EM-Endspiel 1995 gegen Schweden das 2:1 © imago/Sven Simon

Birgit Prinz (M.) erzielte das 2:1 gegen Schweden.

Deutschland drängte nach dem Seitenwechsel auf die Führung. Zunächst vergebens. Bisanz reagierte und schickte in der 62. Minute Birgit Prinz für Patricia Brocker aufs Feld. Die spätere dreimalige "Weltfußballerin", damals gerade einmal 17 Jahre alt, brauchte keine lange Anlaufzeit. Nur 120 Sekunden nach ihrer Einwechslung traf die Frankfurterin zum 2:1. Bisanz hatte ein goldenes Händchen bewiesen. "Auf der einen Seite bin ich es gewohnt, dass Birgit Prinz ein Tor macht, wenn ich sie bringe. Auf der anderen Seite kann man so etwas nicht vorhersehen", sagte der Coach später. Bettina Wiegmann sorgte schließlich mit dem 3:1 (83.) für die Vorentscheidung. Der Anschlusstreffer von Anneli Andelén (88.) brachte den dritten deutschen EM-Titelgewinn nicht mehr in Gefahr.

Stand: 31.05.13 15:38 Uhr