Jubel bei den deutschen Nationalspielerinnen Jutta Nardenbach, Petra Damm und Doris Fitschen (v.l.) © imago/Sven Simon

1989

Deutschland triumphiert bei Heim-EM

Die Heim-EM 1989 wurde für die deutschen Fußballerinnen zum Triumphzug. Als Außenseiter ins Turnier gegangen, stemmte das Bisanz-Team am Ende den Pokal in die Höhe.

Als Referee Carlos Silva Valente aus Portugal am 2. Juli 1989 das Endspiel der dritten Frauen-Europameisterschaft an der Bremer Brücke in Osnabrück abpfiff, kannte der Jubel bei den Spielerinnen des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) keine Grenzen mehr. "Das ist der schönste Tag meines Lebens", gab Ursula "Uschi" Lohn, die zwei Tore zum überraschenden 4:1-Erfolg gegen Titelverteidiger Norwegen beigesteuert hatte, einen Einblick in ihr Seelenleben. Auch Mannschaftsführerin Silvia Neid musste sich nach dem Triumph vor 22.000 Zuschauern erst einmal sammeln: "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir es geschafft haben." Dabei fiel der Sieg nicht in die Rubrik "Wunder", sondern war das Produkt von jahrelanger akribischer Aufbauarbeit von Gero Bisanz. Der Erfolgstrainer sah sich und den deutschen Frauenfußball allerdings noch lange nicht am Ziel angekommen. "Ich hoffe, dass von dieser EM eine Ausstrahlung ausgeht, dass wir mehr Mädchen und Frauen für den Fußballsport interessieren", sagte der Übungsleiter. Sein Wunsch sollte in Erfüllung gehen.

Elfmeterkrimi im Semifinale

Die deutsche Nationalspielerin Frauke Kuhlmann (l.) im Duell mit der Italienerin Elisabetta Vignotto © imago/Hardt

Im Semifinale bezwang die DFB-Elf Italien im Elfmeterschießen.

Die DFB-Auswahl hatte bereits in der Qualifikation zu den Titelkämpfen im eigenen Land aufhorchen lassen. Ungeschlagen setzte sich die Bisanz-Elf in ihrer Gruppe durch. Im Viertelfinale wurde anschließend in zwei Partien die Tschechoslowakei ausgeschaltet. Auswärts gelang ein 1:1, vor heimischer Kulisse gewann Deutschland 2:0 - die erste Teilnahme an einer EM-Endrunde war perfekt. Doch sie wäre für die Gastgeberinnen beinahe bereits im Semifinale beendet gewesen. Denn Italien erwies sich am 28. Juni vor 8.000 Zuschauern im Siegener Leimbachstadion als äußerst hartnäckiger Widersacher. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung stand es nach Treffern von Silvia Neid (57.) und Elisabetta Vignotto (72.) 1:1 - das Elfmeterschießen musste entscheiden. Marion Isbert wuchs über sich hinaus. Die Torhüterin parierte zunächst drei Penaltys, um schließlich selbst vom Punkt für die Entscheidung zu sorgen. Das Bisanz-Team setzte sich mit 4:3 im Elfmeterschießen durch.

Lohns Fernschüsse bringen DFB-Team auf Siegerstraße

Die deutsche Nationalspielerin Ursula Lohn (l.) im EM-Endspiel 1989 gegen Norwegen in Aktion © imago/Hardt

Ursula Lohn (l.) traf im Endspiel doppelt.

Deutschlands Endspielgegner hieß Norwegen. Der Titelverteidiger hatte sich in der Vorschlussrunde wie bei der EM 1987 im Finale mit 2:1 gegen Schweden durchgesetzt. Die Gastgeberinnen gingen als Außenseiter in das Duell mit den robusten Skandinavierinnen. Doch mit dem Rückenwind aus dem Italien-Spiel und der Unterstützung der 22.000 Zuschauer in Osnabrück zeigte die taktisch glänzend eingestellte DFB-Elf eine nahezu perfekte erste Hälfte. Lohn brachte die Gastgeberinnen mit zwei Fernschüssen (22., 36.) mit 2:0 in Führung. Als ihre Sturmpartnerin Heidi Mohr kurz nach dem Seitenwechsel auf 3:0 erhöhte (45.), war die Vorentscheidung gefallen. Norwegen schöpfte durch den Anschlusstreffer von Sissel Grude (54.) zwar noch einmal Hoffnung. Diese währte aber nur kurz. Die in der 62. Minute für Doris Fitschen eingewechselte Angelika Fehrmann sorgte mit dem vierten deutschen Tor (73.) endgültig für klare Verhältnisse.

Ein Kaffeeservice als Titelprämie

Das junge DFB-Team - keine Akteurin war älter als 28 Jahre - hatte Geschichte geschrieben und den Grundstein für die rasante Entwicklung in den darauffolgenden Jahren im deutschen Frauenfußball gelegt. Richtig zu würdigen wussten die Verbandsfunktionäre indes den Triumph anscheinend nicht. Als Prämie für den EM-Sieg schenkten sie jeder Spielerin ein 41-teiliges Kaffeeservice mit blauen, gelben und roten Blümchen. Zwar durften die Kickerinnen als Amateure auch nicht finanziell für den Erfolg honoriert werden. Doch mit dem Kaffeeservice als Präsent traten die DFB-Oberen zweifellos ins Fettnäpfchen. Wer wollte, konnte es so interpretieren: Frauen gehören an den Herd und nicht auf den Fußballplatz.

Stand: 28.05.13 12:10 Uhr