Gero Bisanz (Archivbild aus dem Jahr 1989) © imago/Hardt

1993

Deutsche glücklos, Norwegen siegt

Die deutsche Mannschaft blieb bei der EM 1993 in Italien ohne Sieg und wurde Vierter. Es triumphierte Norwegen durch einen Erfolg über die Gastgeberinnen.

Für die deutschen Fußballerinnen geriet die "Mission Titelverteidigung" bei der EM-Endrunde 1993 in Italien zum Fiasko. Zumindest ergebnistechnisch. Statt den erhofften Hattrick zu feiern, stand die DFB-Auswahl am Ende mit leeren Händen da. Nach zwei Niederlagen musste sich die erfolgsverwöhnte Mannschaft von Trainer Gero Bisanz mit Rang vier zufriedengeben. Als einen "unerwarteten Absturz" und "Rückschlag" titulierte das Fachblatt "kicker" daraufhin das Scheitern des Favoriten. Bisanz indes wollte das Ergebnis nicht überdramatisieren. "Wir haben noch eine sehr junge Mannschaft, in zwei Jahren wird wieder alles anders aussehen", prophezeite der Übungsleiter.

Qualifikation ohne Aussagekraft

Bisanz hatte den Leistungsstand seines Teams vor dem Turnier schwer einschätzen können, da die EM-Qualifikation zur Farce geraten war. Zunächst kämpfte Deutschland gegen Jugoslawien um den Einzug in die Runde der letzten Acht. Aufgrund des Bürgerkriegs im Balkanstaat wurde das Hinspiel am 28. Mai 1992 in Bulgariens Metropole Sofia ausgetragen. Die DFB-Auswahl siegte mühelos mit 3:0. Zum Rückspiel trat Jugoslawien nicht mehr an. Im Viertelfinale wartete auf den Titelverteidiger dann mit Russland ein zum damaligen Zeitpunkt allenfalls zweitklassiger Gegner. Dementsprechend deutlich fiel das erste Duell beider Teams in Moskau aus. Am Ende hieß es 7:0 für Deutschland. Vor heimischer Kulisse in Rheine blamierte sich die DFB-Equipe beim 0:0 dann zwar bis auf die Knochen, dennoch blickte Bisanz optimistisch in die Zukunft: "Bis zum Turnier ist noch genügend Zeit, um an unseren Schwächen zu arbeiten." Es folgten mehrere Testspiele gegen starke Kontrahenten, darunter drei Vergleiche mit dem amtierenden Weltmeister USA (zwei Siege, eine Niederlage).

Halbfinal-Pleite im Elfmeterschießen

Heidi Mohr (Archivbild aus dem Jahr 1991) © imago/Werek

Heidi Mohrs Tor langte dem DFB-Team nicht zum Finaleinzug.

Im EM-Semifinale traf der Titelverteidiger am 30. Juni zum dritten Mal in Folge auf Italien. Bisanz musste gegen die Gastgeberinnen auf seine schwangere Leistungsträgerin Martina Voss verzichten. Zudem ging Spielmacherin Silvia Neid angeschlagen in die Begegnung. Nichtsdestotrotz war die DFB-Elf vor 3.000 Zuschauern in Rimini zunächst die bessere Mannschaft und erarbeitete sich gute Möglichkeiten. Als Heidi Mohr Deutschland nach dem Seitenwechsel verdient in Führung brachte (56.), schien der Weg ins Finale frei. Doch die Freude währte nur kurz. Sieben Minuten später egalisierte Carolina Morace für die Italienerinnen. Weitere Tore fielen in der regulären Spielzeit und der Verlängerung nicht, sodass - wie vier Jahre zuvor - das Elfmeterschießen entscheiden musste. Und anders als bei der Heim-EM hatten die Deutschen diesmal das Nachsehen: Die "Squadra Azzurra" setzte sich vom Punkt mit 4:3 durch. Finalgegner der Gastgeberinnen war Norwegen, das Dänemark durch einen Treffer von Anne Nymark Andersen (63.) am Vortag 1:0 bezwungen hatte.

Italiens Träume platzen im Endspiel

Carolina Morace (Archivbild aus dem Jahr 1989) © imago/Hardt

Carolina Morace und Italien blieb der große Triumph verwehrt.

Das "kleine Finale" zwischen Deutschland und Dänemark am 3. Juni in Cesenatio hatte keine große Anziehungskraft auf die Fans. Lediglich 500 Zuschauer wohnten der Partie bei, die das DFB-Team trotz zahlreicher Chancen mit 1:3 verlor. Ein schöner Freistoßtreffer von Maren Meinert zum zwischenzeitlichen Ausgleich (31.) war die einzige Ausbeute der deutschen Offensivbemühungen. Susan Mackensies (10., 42.) und Hanne Nissen (35.) waren für die Skandinavierinnen erfolgreich. Am Tag darauf wollte Italien in Cesena seinen Heimvorteil zum Gewinn des ersten EM-Titels nutzen. Doch selbst die Unterstützung von 7.000 Anhängern verhalf der Mannschaft von Trainer Sergio Guenza nicht zum erhofften Triumph. Norwegen war einen Tick abgeklärter und holte sich durch einen Treffer der eingewechselten Birthe Hegstad (75.) den Titel.

Stand: 31.05.13 10:55 Uhr