Jubel bei den deutschen Fußballerinnen Silvia Neid (l.) und Heidi Mohr © imago/Hardt

1991

DFB-Team verteidigt Titel

Deutschland verteidigte bei der EM 1991 in Dänemark seinen Titel erfolgreich. Zur alles überragenden Spielerin avancierte Stürmerin Heidi Mohr mit vier Turniertreffern.

Unter dem Motto "Und täglich grüßt das Murmeltier" stand die EM 1991 in Dänemark für die deutsche Nationalmannschaft. Wie bereits bei den Titelkämpfen zwei Jahre zuvor im eigenen Land hießen der Vorschlussrunden-Gegner Italien und der Endspiel-Kontrahent Norwegen. Und wie vor eigenem Publikum hielt die DFB-Auswahl am Ende den Pokal in den Händen. Zur überragenden Akteurin der Mannschaft von Trainer Gero Bisanz avancierte Heidi Mohr. Die Angreiferin, die sich zuvor die Torjägerkanone in der Premieren-Saison der Frauen-Bundesliga gesichert hatte, steuerte vier der sechs deutschen Endrunden-Treffer bei.

Deutlicher Halbfinal-Sieg gegen Italien

Die deutsche Nationalspielerin Sissy Raith (r.) am Ball (Archivbild aus dem Jahr 1989) © imago/Hardt

Sissy Raith (r.) traf zum 3:0-Endstand gegen Italien.

Nicht der Titelverteidiger, sondern Gastgeber Dänemark eröffnete am 10. Juli 1991 gegen Norwegen die vierte Frauen-EM. In Hjörring entwickelte sich eine zerfahrene Begegnung, in der nach regulärer Spielzeit und Verlängerung auf beiden Seiten die Null stand. Im Elfmeterschießen behielten die Norwegerinnen mit 8:7 die Oberhand und zogen erneut ins Finale ein. Am Tag darauf kam es zum Wiedersehen der deutschen Auswahl mit der "Squadra Azzurra". "Wir putzen sie weg", erklärte Angreifern Martina Voss vor dem Duell mit den Italienerinnen in Frederikshavn selbstbewusst. Sie hielt Wort. Anders als zwei Jahre zuvor, als die Bisanz-Elf erst im Elfmeterschießen erfolgreich war, siegte sie diesmal relativ ungefährdet mit 2:0. Mohr (30., 58.) und Sissy Raith (60.) waren für den Titelverteidiger erfolgreich.

Deutschland zunächst eingeschüchtert

Das Endspiel am 14. Juli in Aalborg gegen Norwegen gestaltete sich dann jedoch weitaus schwieriger. Die Skandinavierinnen wollten unbedingt Revanche nehmen für die 1:4-Finalpleite zwei Jahre zuvor in Osnabrück. Trainer Even Pellerud hatte seine Elf sehr defensiv eingestellt und behielt mit dieser taktischen Ausrichtung zunächst recht. Deutschland fand kaum einmal ein Durchkommen durch den dichten Defensivverbund und ließ sich zudem von der robusten Gangart des Kontrahenten einschüchtern. Nach schwacher und torloser erster Hälfte ging Norwegen in der 54. Minute durch Birthe Hegstad überraschend in Führung.

Mohr-Gala im Endspiel

Die deutsche Nationalspielerin Heidi Mohr © imago/Hardt

Heidi Mohr erzielte vier Treffer bei der EM 1991.

Der Genickbruch für die zuvor unermüdlich anrennende DFB-Auswahl? Mitnichten. Nun schlug erneut die Stunde von Mohr. Zunächst egalisierte die Angreiferin (63.) und rettete den Titelverteidiger damit in die Verlängerung. Dann setzte die in Weinheim geborene Fußballerin zu einem unwiderstehlichen Solo von der Mittellinie an und erzielte das 2:1 (83.). Der Treffer wurde von den Zuschauern der Sportschau zum "Tor des Monats" Juli gewählt. Silvia Neid erhöhte schließlich in der 85. Minute zum 3:1-Endstand. In aller Munde war nach dem erneuten EM-Triumph jedoch Mohr. "Heidi war eine absolute Instinktfußballerin. Selbst ihre Mitspielerinnen haben manchmal nicht begriffen, was sie auf dem Platz anstellte. Aber sie hat eigentlich immer die richtigen Entscheidungen getroffen", urteilte Bisanz später im Magazin "11 Freunde" über die Angreiferin.

Stand: 28.05.13 15:13 Uhr