Die deutschen Fußballerinnen mit dem EM-Pokal 2005 © Witters Foto: Witters

2005

Am Ende gewinnen immer die Deutschen

Wie die deutschen Männer 1996 triumphierten auch die DFB-Frauen im Mutterland des Fußballs. Für Bundestrainerin Tina Theune-Meyer war der sechste EM-Sieg ein perfekter Abschied.

Neun Jahre nach der Europameisterschaft der Männer trugen auch die Frauen ihre Titelkämpfe erstmals im Mutterland des Fußballs aus. Die Erwartungen an das Turnier waren ebenso groß wie die Vorurteile der Frauenfußball-Skeptiker auf der Insel. Die BBC übertrug alle Spiele  live und zur besten Sendezeit. Und obwohl die Gastgeberinnen schon nach der Vorrunde ausschieden, kamen 117.384 Zuschauer in die Stadien und sorgten damit für einen EM-Rekord. Sportlich lief alles - frei nach Gary Lineker - gesetzmäßig ab: Am Ende gewinnen immer die Deutschen. Die deutschen Fußballerinnen holten ihren vierten Titel nacheinander. Es war zugleich das Abschiedsgeschenk für die scheidende Bundestrainerin Tina Theune-Meyer, unter der die DFB-Auswahl 2003 in den USA auch erstmals Weltmeister geworden war.

Zuschauerrekord in Manchester

Für die Engländerinnen begann das Turnier verheißungsvoll. 29.092 Zuschauer strömten beim ersten Vorrundenspiel gegen Finnland ins City of Manchester Stadium. So viele Menschen hatten nie zuvor in Europa ein Frauenfußballspiel live verfolgt. Doch schon beim knappen 3:2-Erfolg über Finnland im Eröffnungsspiel zeigte das Team von Trainerin Hope Powell Schwächen. Die "Three Lionesses" schieden nach zwei Niederlagen gegen Dänemark (1:2) und Schweden (0:1) aus. Neben Schweden zog überraschend Finnland ins Halbfinale ein.

Skandinavien-Duell bestes EM-Spiel

Schwedens Anna Sjöström (l.) im Kopfball-Duell mit der Norwegerin Unni Lehn im Halbfinale der Frauenfußball-EM 2005 © imago Foto: imago

Schweden und Norwegen zeigten im Halbfinale das beste EM-Spiel.

Dort trafen die EM-Debütantinnen auf den Topfavoriten Deutschland. Das DFB-Team hatte Norwegen (1:0), Italien (4:0) und Frankreich (3:0) aus dem Weg geräumt und mit 9:0 Punkten und 8:0 Toren die Gruppe B gewonnen. Das Spiel gegen Finnland in Preston war dann schnell entschieden. Schon nach zwölf Minuten und Toren von Inka Grings (zwei) und Conny Pohlers lag Deutschland mit 3:0 in Führung. Birgit Prinz besorgte in der zweiten Halbzeit den 4:1-Endstand. Das wohl beste Spiel des Turniers war das zweite Halbfinale in Warrington. Schwedens Hanna Ljungberg glich zweimal die norwegische Führung aus, ehe Solveig Gulbrandsen in der 19. Minute der Verlängerung für die Entscheidung sorgte.

Norwegen leistet erbitterten Widerstand

Pünktlich zum Anpfiff des Endspiels ging über dem Ewood Park von Blackburn ein heftiger Gewitterregen nieder. Und die physisch starken Norwegerinnen erwiesen sich als zäher Konkurrent. Grings (22.) und Spielmacherin Renate Lingor (24.) brachten das DFB-Team in Führung. Doch in der 41. Minute  erzielte Dagny Mellgren das 1:2, und zwei Minuten später zappelte der Ball erneut im Tor von Silke Rottenberg. Doch Stine Frantzen stand im Abseits, der Treffer zählte nicht. Einmal mehr war es Spielführerin Prinz, die für klare Verhältnisse sorgte (63.) und wenig später aus den Händen von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder den EM-Pokal entgegennahm. Stürmerin Grings sicherte sich mit vier Treffern die Torjägerkrone. Die finnische Mittelfeldakteurin Anne Mäkinen wurde als beste Spielerin geehrt.

Neid tritt das Erbe von Theune-Meyer an

Mit dem EM-Titel 2005 beendet Tina Theune-Meyer (r.) ihre Amtszeit als Frauenfußball-Bundestrainerin. Ihre Nachfolgerin wird Silvia Neid (l.). © picture-alliance/Sven Simon Foto: Sven Simon

Tina Theune-Meyer (r.) gab nach der EM 2005 den Bundestrainer-Posten an Silvia Neid (l.) ab.

In der deutschen Mannschaft ging mit dem insgesamt sechsten EM-Titel eine Ära zu Ende. Tina Theune-Meyer, die 1985 als erste Frau in Deutschland die Fußballlehrerlizenz erworben hatte, reichte nach neun Jahren und 93 Siegen in 135 Länderspielen den Staffelstab an ihre Assistentin Silvia Neid weiter. "Jetzt sehe ich natürlich alles mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber doch mehr mit einem lachenden", sagte sie nach dem neuerlichen Triumph im EM-Finale.

Stand: 03.06.13 16:09 Uhr