Norwegens Solveig Gulbrandsen (r.) bejubelt einen Treffer gegen Spanien. © dpa - Bildfunk Fotograf: Patric Soderstrom

Viertelfinale

Effiziente Norwegerinnen stehen im Halbfinale

Hanno Bode, sportschau.de

Die norwegische Frauenfußball-Nationalmannschaft darf sich berechtigte Hoffnungen auf den dritten EM-Titel machen. Die Mannschaft von Trainer Even Pellerud setzte sich am Montagabend (22.07.13) in Kalmar gegen Spanien mit 3:1 (2:0) durch und zog als drittes Team nach Gastgeber Schweden und Deutschland in die Vorschlussrunde ein.

Pellerud hatte wie bereits imletzten Gruppenspiel gegen Deutschland (1:0) munter seine Mannschaft durchgewürfelt. Gleich sechs Akteurinnen rutschten im Vergleich zum Duell mit dem Rekordeuropameister neu in die Startelf. Ob es nun an der Personalrochade oder dem stark aufspielenden Kontrahenten lag, dass die Skandinavierinnen zunächst überhaupt keinen Zugriff auf die Begegnung bekamen, war schwer auszumachen. Spanien gehörte die Anfangsphase. Die Auswahl von Coach Ignacio Quereda übte im Mittelfeld Dominanz gegenüber Norwegen aus, kombinierte bis zum Strafraum traumwandlerisch sicher, war dann allerdings mit ihrem Latein am Ende. Mit Ausnahme zweier kleiner Möglichkeiten durch Alexia Putellas (5.) und Adriana (7.) führten die Bemühungen der Ibererinnen zu keinen nennenswerten Abschlüssen.

Spanien mit unglücklichen Gegentreffern

Spaniens Irene Paredes (M.) trifft gegen Norwegen ins eigene Tor. © dpa - Bildfunk Fotograf: Patric Soderstrom

Irene Paredes (M.) traf kurz vor der Pause ins eigene Netz.

Norwegen konnte sich nach gut einer Viertelstunde aus der Umklammerung der Spanierinnen lösen und besaß in der 20. Minute durch Solveig Gulbrandsen seine erste Gelegenheit. Der Schuss der 32-Jährigen strich aber deutlich über das Gehäuse. Dennoch war er eine Initialzündung für die Pellerud-Elf, die anschließend ihre stärkste Phase hatte. Die Führung des Favoriten fiel allerdings in die Rubrik "glücklich": Gulbrandsen zog eine Flanke vom rechten Strafraumeck in die Mitte, dort verfehlte Kristine Hegland die Hereingabe, irritierte aber die spanische Verteidigung sowie Keeperin Ainhoa Tirapu, sodass der Ball ohne weitere Berührung über die Linie rollte (24.). Es sollte nicht das letzte Malheur des Quereda-Teams an diesem sonnigen Tag in Kalmar sein. Das zweite Gegentor hatte beinahe schon Slapstick-Charakter. Diesmal hieß die tragische Protagonistin Irene Paredes. Die 22 Jahre alte Innenverteidigerin von Athletic Bilbao wollte eine Kopfballverlängerung von Caroline Hansen klären, traf den Ball unglücklich mit dem Außenrist und überwand mit ihrem Querschläger die verdutzte Keeperin Tirapu (43.).

Traumtor zur endgültigen Entscheidung

Nach dem Seitenwechsel versuchte Spanien, wieder Kontrolle über das Geschehen zu gewinnen und Norwegen in die eigene Hälfte zu drängen. Das gelang jedoch nur temporär. Die Offensivaktionen der Ibererinnen waren weiter hübsch anzuschauen, aber wirkungslos. Es fehlte das Überraschungsmoment und eine Akteurin, die mit einer Einzelaktion für Unruhe im norwegischen Defensivverbund hätte sorgen können. Starstürmerin Verónica Boquete rieb sich in vorderster Front als Einzelkämpferin auf. Die 26-Jährige stand gegen die Innenverteidigerinnen Marit Christensen und Trine Rönning auf verlorenem Posten. Norwegen spielte einfacher, aber zielstrebiger. So bedurfte es vor dem dritten Tor nur weniger Ballkontakte, bis das Ziel erreicht war: Hegland setzte sich auf der linken Seite durch, passte auf Ada Hegerberg, die aus der Drehung in den Winkel traf (64.). Damit war der Widerstand der Spanierinnen endgültig gebrochen. Immerhin gelang noch der Ehrentreffer durch Jennifer Hermoso (90.+3). Bei diesem schien die norwegische Abwehr gedanklich allerdings bereits in der Kabine zu sein.

Stand: 22.07.13 19:53 Uhr