Maier: "Weg nach oben leichter, als dort zu bleiben"

Die deutsche Fußball-Nationalspielerin Leonie Maier © picture-alliance/Augenklick/Rauchensteiner

Interview

Maier: "Weg nach oben leichter, als dort zu bleiben"

Leonie Maier zählt zu den Aufsteigerinnen im DFB-Team. Die 20 Jahre junge Außenverteidigerin mit dem Torinstinkt überzeugte in der Vorbereitung mit unbekümmerten Auftritten und spielerischer Klasse und war zuletzt in der Startformation gesetzt. sportschau.de hat mit der Stuttgarterin über die gestiegene Aufmerksamkeit, ihre Rolle im Team und die Aussichten bei der EM gesprochen.

Leonie Maier, Sie haben sich zuletzt mit tollen Leistungen in den Vordergrund gespielt, im Zusammenhang mit Ihrem Namen fallen nun häufig die Begriffe "Shootingstar" und "Senkrechtstarterin". Wie fühlt sich das an?

Leonie Maier: Das geht im Moment alles ziemlich schnell für mich, es kommt mir noch vor wie im Traum. Ich freue mich natürlich riesig, dass alles so gut geklappt hat. Ich persönlich kann mit dem Begriff Shootingstar nicht so viel anfangen, weil es immer um die ganze Mannschaft geht. Aber ich freue mich sehr, dass ich der Mannschaft mit meiner Leistung helfen kann.

Erhöht die gestiegene Aufmerksamkeit den Druck oder macht Sie das vielleicht sogar stärker?

Maier: Ich fühle mich nicht unter Druck gesetzt. Ich habe einfach auch hart für diese Dinge gearbeitet, viel individuelles Techniktraining gemacht. Ich kenne meine Stärken und versuche, das auf dem Platz umzusetzen. Von daher mache ich mir eigentlich keinen großen Druck.

Wo sehen Sie denn Ihre Stärken?

Maier: Ich rede eigentlich nicht so gerne über meine Stärken, ich lasse lieber andere darüber sprechen. Mein Zweikampfverhalten, meine Athletik und dass ich eine sehr offensiv ausgerichtete Außenverteidigerin bin und versuche, Druck nach vorne zu machen, das gehört wohl dazu.

In den beiden letzten Vorbereitungsspielen haben Sie zwei tolle Treffer erzielt. Sind Sie im Herzen eine Stürmerin?

Maier: Im Moment läuft’s  einfach. In der F-Jugend habe ich einmal im Sturm gespielt, danach bin ich immer weiter nach hinten gerückt. Seit der U15-Nationalmannschaft spiele ich als Außenverteidigerin und bin dort immer geblieben. Ab und zu gehe ich im Verein mal ins Mittelfeld, aber grundsätzlich bin ich schon gern Verteidigerin.

Welche Position ist Ihnen die liebste?

Maier: Ich habe die meiste Zeit als Rechtsverteidigerin gespielt, daher ist das ein bisschen gewohnter. Es ist schon etwas anderes, auf der anderen Seite zu spielen. Aber grundsätzlich ist mir eigentlich egal, auf welcher Seite ich spiele.

"Alle sind ganz gespannt auf die EM"

Sie sind aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Sind Sie bei der EM in der Startformation gesetzt?

Leonie Maier (r.) im Testspiel gegen Japan © picture alliance / Pressefoto Baumann

Dynamisch und technisch stark: Leonie Maier (r.).

Maier: Da kann man sich nie sicher sein. Ich sage mal, ich habe in der letzten Zeit sehr viel Einsatzzeit von der Trainerin bekommen und mich sehr darüber gefreut, dass sie mir das Vertrauen geschenkt hat. Ich denke, dass ich das in den Spielen auch zeigen konnte und meine Chance genutzt habe. Jetzt gilt es, auf dem Level zu bleiben. Es ist einfacher, da oben anzukommen, als dann auch oben zu bleiben. Da muss ich dran arbeiten, dass ich konstant meine Leistung bringe.

Wie kann das gelingen?

Maier: Indem man einfach immer weiter an sich und den Schwächen arbeitet und auf dem Boden bleibt.

Haben Sie ein Vorbild?

Maier: Philipp Lahm ist schon eine Art Vorbild für mich, weil er immer konstante Leistung bringt und einfach ein sehr guter Spieler ist.

Sechs Stammspielerinnen fallen verletzt aus, die deutsche Mannschaft ist sehr jung. Was bedeutet das für die EM?

Maier: Wir haben trotz der vielen Ausfälle eine sehr gute Mannschaft. Es ist natürlich nicht einfach, die Ausfälle der erfahrenen Spielerinnen zu kompensieren. Die Erfahrung fehlt. Aber die jungen Spielerinnen sind sehr hungrig und alle sehr gut ausgebildet. Man sieht, dass die ganze junge Garde, die jetzt hier aufrückt, eine Top-Athletik mitbringt und auch technisch sehr gut geschult ist. Ich denke, dass uns das auch als Mannschaft weiterbringt. Wir sind durch die Ausfälle möglicherweise noch näher zusammengerückt und können vielleicht sogar mit weniger Druck in die EM reingehen.

Gibt es einen Austausch mit den erfahreneren Spielern?

Maier: Auf jeden Fall. Es ist sehr wichtig für uns, dass ältere Spielerinnen dabei sind, auch auf dem Platz. Natze (Torhüterin Nadine Angerer, d.Red.) zum Beispiel hat das ganze Feld immer vor sich und gibt gute Kommandos von hinten an die Viererkette. Es ist natürlich gut für mich, wenn sie sagt, dass ich einrücken muss. Es sind Kleinigkeiten, die einem im Spiel aber weiterhelfen.

Wie ist denn die Stimmung im Team? Sind vor allem die jüngeren Spielerinnen sehr aufgeregt vor dem ersten großen Turnier?

Maier: Wir haben uns gegen Japan sehr viel Selbstvertrauen geholt und die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut. Alle sind ganz gespannt auf die EM. Das Lampenfieber wird erst kurz vor Turnierbeginn auftauchen, im Moment überwiegt die Vorfreude.

Wie beurteilen Sie die Chancen des deutschen Teams?

Maier: Wir haben eine sehr gute Mischung aus jung und alt. Ich denke, dass wir zu den Favoriten gehören und natürlich wollen wir am liebsten den Titel. Aber Schweden als Gastgeber, Frankreich, Norwegen und auch die Engländerinnen schätze ich ebenfalls sehr stark ein.

Das Interview führte Bettina Lenner, sportschau.de.

Stand: 04.07.13 12:00 Uhr

Steckbrief

Steckbrief Leonie Maier

Position: Abwehr
Trikotnummer: 4
Verein: FC Bayern München
geboren am: 29. 9. 1992 in Stuttgart
Größe: 163 cm
Gewicht: 64 kg
Länderspiele: 15
Länderspieltore: 2
Länderspiel-Debüt: 13. Februar 2013 in Straßburg gegen Frankreich (3:3)
größte Erfolge im Nationalteam: Europameisterin 2013, U19-Europameisterin 2011