Jubelnde Däninnen © imago/PanoramiC Fotograf: PanoramiC

Viertelfinale

Dänemark sensationell weiter - Frankreich weint

Hanno Bode, sportschau.de

Die dänische Nationalmannschaft hat bei der EM in Schweden für die bisher größte Sensation gesorgt. Die in der Gruppenphase sieglosen Skandinavierinnen, die im Losentscheid als zweiter bester Gruppendritter ins Viertelfinale kamen, setzten sich am Montagabend (22.07.13) gegen den hohen Favoriten Frankreich mit 5:3 nach Elfmeterschießen durch. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:1 gestanden.

Dänemarks nach der Endrunde scheidender Coach Kenneth Heiner-Möller hatte sich wie bereits in den Gruppenspielen für eine offensive Ausrichtung seiner Mannschaft entschieden. Der krasse Außenseiter suchte mit einer 4-3-3-Formation seine Chance gegen den im Vorfeld übermächtig erscheinenden Kontrahenten. Nicht nur taktisch, sondern ganz offensichtlich auch mental optimal eingestellt, zeigten die Skandinavierinnen von Beginn an keinerlei Respekt vor der "Equipe Tricolore". Mehr noch: Dänemark hatte in der Anfangsphase mehr Ballbesitz, kombinierte sicher und setzte die Französinnen früh unter Druck. Johanna Rasmussen besaß in der elften Minute die erste gute Möglichkeit, wurde aber von Schiedsrichterin Carina Vitulano zurückgepfiffen. Die Italienerin hatte die Schützin im Abseits gesehen - ein Irrtum. Kurz darauf setzte Frankreich in Person von Camille Abily ein erstes Ausrufezeichen. Der Schuss der Regisseurin fiel aufs Tornetz (20.). In selbiges traf dann auf der Gegenseite Rasmussen. Nach einem feinen Pass von Mia Brogaard in die Tiefe überwand die 30 Jahre alte Schweden-Legionärin von Kristianstads DFF Keeperin Sarah Bouhaddi (28.) mit einem platzierten Linksschuss.

Petersen verhindert Ausgleich

Frankreich zeigte sich vom ersten Rückstand bei der Endrunde in Schweden unbeeindruckt und besaß bereits 60 Sekunden später durch Gaëtane Thiney die Gelegenheit zum Ausgleich. Torfrau Stina Lykke Petersen vereitelte mit einer Glanztat das 1:1. Die 27-Jährige, die sich mit zwei gehaltenen Elfmetern im Eröffnungsspiel gegen Schweden (1:1) bereits einen Platz in den EM-Geschichtsbüchern gesichert hat, rettete ihrer Mannschaft im Anschluss zwei weitere Male mit Paraden gegen Eugénie Le Sommer (34.) und Élise Bussaglia (45) die Führung. Nichtsdestotrotz war das 1:0 für den Außenseiter zur Pause nicht unverdient. Den Däninnen war es im ersten Abschnitt ausgezeichnet gelungen, im Kollektiv die individuelle Unterlegenheit wettzumachen.

Umstrittener Strafstoß führt zum 1:1

Frankreichs Louisa Necib (2.v.l.) kämpft gegen Dänemarks Johanna Rasmussen (l.) und Katrine Pedersen um den Ball. © dpa - Bildfunk Fotograf: Stefan Jerrevang

Louisa Necib (2.v.l.) erzielte das 1:1 für Frankreich.

Frankreichs Trainer Bruno Bini reagierte auf den durchwachsenen Auftritt seiner Elf und wechselte zur Pause in Élodie Thomis eine weitere Stürmerin für Kapitänin Sandrine Soubeyrand ein, die zuvor mit Bussaglia die "Doppelsechs" gebildet hatte. Eine Maßnahme, die ihre erhoffte Wirkung erzielte. Die "Equipe Tricolore" vermochte es nun, mehr Druck auszuüben. Der dänische Defensivverbund wackelte, fiel aber zunächst nicht, weil es da ja noch Petersen gab, die zunächst alle Versuche der Französinnen entschärfte. Dem Bini-Team lief gegen aufopferungsvoll kämpfende Däninnen die Zeit davon. Einige ziemlich sinnfreie Weitschüsse zeugten davon, dass der Favorit wohl nicht mehr weit davon entfernt war, in Aktionismus zu verfallen. Dann kam der "Equipe Tricolore" Schiedsrichterin Vitulano zur Hilfe. Die Italienerin zeigte nach einem Allerweltszweikampf im Strafraum zwischen Line Röddik und Abily auf den Elfmeterpunkt - eine sehr fragwürdige Entscheidung. Louisa Necib nahm das Geschenk dankend an und verwandelte zum 1:1 (71.). Viel fehlte allerdings nicht, und Petersen hätte auch diesen Strafstoß gehalten. Die Keeperin war mit den Fingerspitzen am Ball.

Abily im Pech

Frankreichs Camille Abily © dpa - Bildfunk Fotograf: Stefan Jerrevang

Hatte Pech mit einem Lattenschuss: Camille Abily.

Ihre Mannschaftskameradinnen mussten mit zunehmender Spieldauer dem hohen Einsatz Tribut zollen. Dänemark war fast ausschließlich damit beschäftigt, Abwehrarbeit zu verrichten. Entlastungsangriffe gab es in der Schlussphase nicht mehr. Es hatte den Anschein, als sei die Möller-Elf stehend K.o. Dennoch gelang es den Skandinavierinnen, sich in die Verlängerung zu retten. In der Extrazeit änderte sich an den Kräfteverhältnissen nichts: Frankreich stürmte, Dänemark versuchte, das drohende Unheil mit leidenschaftlichem Einsatz abzuwenden. Es gelang - auch unter Mithilfe des Aluminiums, an das Abilys gefühlvoller Freistoß prallte (107.). So musste das Elfmeterschießen über den vierten Halbfinalisten entscheiden.

Arnth schickt Frankreich ins Tal der Tränen

Und in diesem zeigte Dänemark die besseren Nerven. Während für Frankreich Necib (Petersen hielt) und Sabrina Delannoy (Pfosten) vom Punkt aus scheiterten, leisteten sich die Skandinavierinnen nur einen Fehlschuss durch Theresa Nielsen. Janni Arnth verwandelte den letzten Strafstoß für den Außenseiter und sorgte so für rot-weiße Jubelstürme. In der Vorschlussrunde treffen die Däninnen nun am Donnerstag (25.07.13, im Live-Ticker bei sportschau.de) auf Norwegen, das sich mit weit weniger Mühe gegen Spanien durchsetzte (3:1).

Stand: 22.07.13 23:31 Uhr