Deutschlands Lena Lotzen jubelt. © dpa - Bildfunk Fotograf: Carmen Jaspersen

Deutsches Team

Bremse gelöst, Island besiegt

Ines Bellinger, sportschau.de

Die deutschen Fußballerinnen haben die Angst vorm Scheitern abgestreift und Kurs auf das Viertelfinale genommen. Der Titelverteidiger besiegte Außenseiter Island souverän mit 3:0.

Titelverteidiger Deutschland ist im EM-Turnier angekommen und hat nach einem 3:0 (1:0)-Sieg gegen Island Kurs auf das Viertelfinale genommen. Nach dem ängstlichen Start gegen die Niederlande zeigte sich das junge deutsche Team am Sonntag in Växjö spielerisch stark verbessert und ließ dem in allen Belangen unterlegenen Außenseiter nicht den Hauch einer Chance. Lena Lotzen löste mit dem ersten deutschen EM-Tor in der 24. Minute die Fesseln. Torjägerin Celia Okoyino da Mbabi legte den zweiten und dritten Treffer nach (55., 84.) und schraubte ihre Torausbeute damit auf stattliche 43 Tore in 81 Länderspielen. Bei besserer Chancenverwertung hätten die DFB-Frauen deutlich höher gewinnen können.

Lotzen: "Knoten ist geplatzt"

"Jetzt ist vielleicht der Knoten geplatzt", sagte Tor-Debütantin Lotzen, die von Silvia Neid ein Sonderlob bekam: "Wichtig war, dass sie den Bann gebrochen hat mit dem 1:0. Sie hat hervorragend abgeschlossen", sagte die Bundestrainerin. "Die Mannschaft hat heute alles umgesetzt, was wir wollten." Die DFB-Frauen sind mit vier Zählern nun punktgleich mit Norwegen, das 1:0 gegen die Niederlande gewann. Den ewigen Rivalen reicht im letzten Gruppenspiel am Mittwoch (17.07.13/18 Uhr live im Ersten sowie im Live-Stream und Live-Ticker hier bei sportschau.de) somit ein Unentschieden, um gemeinsam ins Viertelfinale einzuziehen. Nicht dabei sein wird im Endspiel um den Sieg in der Gruppe B Jennifer Cramer. Die Linksverteidigerin ist nach ihrer zweiten Gelben Karte gesperrt.

Leupolz erstmals in der Startelf

Deutschlands Melanie Leupolz (l.) im Zweikampf mit Islands Dora Maria Larusdottir © dpa - Bildfunk Fotograf: Carmen Jaspersen

Sorgte für viel Wirbel auf Linksaußen: Melanie Leupolz (l.).

Neid zog die Konsequenzen aus dem schwachen Offensivspiel zum EM-Auftakt und brachte auf der linken Außenbahn Melanie Leupolz anstelle der für Malmö stürmenden Anja Mittag. Dieser Wechsel war nicht ohne Risiko, denn während Mittag zu den erfahrensten Akteurinnen im deutschen Team zählt, absolvierte die Freiburgerin erst ihr viertes Länderspiel und das erste von Beginn an. Wie nervös die 19-Jährige offensichtlich war, zeigte sich schon in ihrer ersten Szene, als sie einen Flügelwechsel vornehmen wollte, den Ball aber an Freund und Feind vorbei ins Seitenaus schlug (3.). Doch mit zunehmender Spielzeit steigerte sich Leupolz und sorgte gemeinsam mit Lotzen für deutlich mehr Druck über die Flügel.

Lotzen-Tor eine Augenweide

Nicht von ungefähr ging von Lotzen auch die größte Torgefahr in der ersten halben Stunde aus. Ihren Kopfball nach einem Freistoß der glänzend aufgelegten Regisseurin Dzsenifer Marozsan lenkte die isländische Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir an die Latte (17.). Sieben Minuten später setzte Marozsan mit einem Zuckerpass Lotzen erneut in Szene, und wie die 19-Jährige vom FC Bayern München ihr erstes Länderspieltor erzielte, war eine Augenweide: Sie nahm den Ball mit rechts mit, legte ihn an der Gegenspielerin vorbei auf ihren linken Fuß und vollendete abgezockt zum 1:0. Die Isländerinnen bemühten sich redlich, von ihrer Defensivtaktik nun auf so etwas wie ein Angriffsspiel umzuschalten, doch ihre fußballerischen Möglichkeiten waren begrenzt. Und so blieb Torfrau Nadine Angerer, die vor der Partie ihren Wechsel zu Brisbane Roar publik gemacht hatte, beschäftigungslos. Auf der Gegenseite verhinderte Islands Keeperin kurz vor der Pause einen höheren Rückstand, als sie eine Direktabnahme von Okoyino da Mbabi von der Linie kratzte (42.).

Marozsan: "Schritt nach vorn gemacht"

Deutschlands Celia Okoyino da Mbabi (l.) und Leonie Maier jubeln. © dpa - Bildfunk Fotograf: Carmen Jaspersen

Celia Okoyino da Mbabi (l.) stellte erneut ihre Torjäger-Qualitäten unter Beweis.

"Die Mannschaft hat hungrig und motiviert angefangen, jetzt müssen wir das zweite Tor nachlegen", sagte Kim Kulig, die der Mannschaft nach ihrer Kreuzband-Operation hinterhergereist war und auf der Tribüne die Daumen drückte, in der Halbzeitpause dem ZDF. Es sollte nicht lange dauern, bis ihre Kolleginnen diese Ansage in die Tat umsetzten. Während Island kaum aus der eigenen Hälfte herauskam, spielten die DFB-Frauen eine Chance nach der anderen heraus. Nach etlichen vergebenen Möglichkeiten traf dann auch Torjägerin Okoyino da Mbabi. Nach einem Torschuss von Leonie Maier, den Torhüterin Gunnarsdottir nur nach vorn abklatschen konnte, staubte die Neu-Frankfurterin zum 2:0 ab (55.). Wie groß die Anspannung bis zu diesem Zeitpunkt noch war, zeigte der überschwängliche Jubel auf der deutschen Bank. Bei mittlerweile strömendem Regen wechselte Neid nach einer guten Stunde Fatmire Bajramaj für Torschützin Lotzen ein und brachte später auch noch Simone Laudehr und Mittag. Die Schweden-Legionärin hätte sich beinahe noch ihren Frust von der Seele geschossen, schlenzte den Ball aber knapp am Pfosten vorbei (81.). So blieb es erneut Okoyino da Mbabi vorbehalten, nach Flanke von Bajramaj für das 3:0 zu sorgen (84.). Am Ende war der 13. Sieg im 13. Spiel gegen Island nie in Gefahr. Bestnoten verdiente sich neben der erneut sehr umsichtig agierenden Abwehrchefin Saskia Bartusiak die omnipräsente Marozsan. "An der Chancenverwertung müssen wir noch arbeiten, aber wir haben einen Schritt nach vorn gemacht", sagte die Spielmacherin.

Stand: 14.07.13 23:19 Uhr