Shanice van de Sanden

EM-Vorrunde, Gruppe A

Niederlande feiert seine "Goldene Torschützin"

Frauenfußball schlägt den "Nationalsport" Radsport - das hat es in den Niederlanden vorher wohl auch noch nicht gegeben: Als die niederländische Frauen-Nationalmannschaft am Sonntag (16.07.17) mit einem hochverdienten 1:0-Sieg über Favorit Norwegen glänzend in die EM im eigenen Land startete, schauten über zwei Millionen Niederländer live am TV zu. Was für ein Pfund das ist, wird klar, wenn man sich die Quote anschaut, die wenige Stunden vorher Radstar Bauke Mollema bei seinem Etappensieg bei der Tour de France erreichte: Da waren "nur" rund 920.000 Fernsehzuschauer dabei.

"Traum ist in Erfüllung gegangen"

"Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen", sprudelte es nach dem Abpfiff regelrecht aus der Torschützin Shanice van de Sanden heraus. Die seit Sommer 2016 für den FC Liverpool stürmende Außenspielerin hatte beim EM-Auftakt in ihrer Geburtsstadt Utrecht ein echtes Heimspiel. "Ich bin zwei Minuten entfernt vom Stadion aufgewachsen. Meine ganze Familie und jede Menge Freunde waren im Stadion. Ich bin einfach nur glücklich", meinte die 24-Jährige nach der Partie.

Keine Mittel gegen pfeilschnelle Außenstürmerin

Nicht etwa die von den meisten Experten als "Angriffs-Juwel" bezeichnete Mittelstürmerin Vivianne Miedema, die vor wenigen Wochen vom FC Bayern München zum FC Arsenal gewechselt ist, oder deren ebenfalls schon berühmte Kollegein Lieke Martens vom FC Barcelona drückten der Eröffnungspartie der Niederländerinnen gegen Norwegen ihren Stempel auf. Nein, bei Oranje war die kleine Außenstürmerin van de Sanden entscheidender Faktor gegen die abwehrstarken Skandinavierinnen. Van de Sanden wirbelte auf der rechten Außenbahn von der ersten Sekunde an, gegen ihre pfeilschnellen Sprints auf der rechten Bahn fanden die Norwegerinnen keine Mittel.

van de Sanden jubelt

01:11 min | 17.07.2017 | Das Erste

"Ja!" - Frenetischer Freudentaumel in Oranje

Es ist kein ekstatisches "Goooooool" wie in Brasilien, aber dennoch hörenswert: Das 1:0 gegen Norwegen von Shanice van de Sanden mit Originalkommentar aus Holland.

Maßgerechte Vorlage schon nach 30 Sekunden

Schon nach 30 Sekunden Spielzeit servierte van de Sanden, deren Wurzeln in der ehemaligen niederländischen Kolonie Surinam liegen, Lieke Martens die Kugel maßgerecht auf den Elfmeterpunkt, doch die Kollegin vergab die Chance. Ebenso wie in der Folge Miedema, die gleich drei starke Vorarbeiten von van de Sanden nicht in Treffer ummünzen konnte. So musste van de Sanden in der 66. Minute selber ran, um den entscheidenden Treffer zu markieren. Als Martens von links flankte, rückte van den Sanden von ihrer Außenposition nach innen und wuchtete die Kugel per Kopf aus zehn Metern ins norwegische Netz.

"Alle gemeinsam gewonnen"

"Wir haben alle gemeinsam gewonnen, aber natürlich: Ich habe es schon genossen, den Siegtreffer markieren zu können", freute sich van de Sanden. Während sich die niederländischen Pressevertreter nach dem "Traumstart ins Turnier" ("De Telegraaf") nach dem Spiel zunächst auf die Torschützin stürzten, durfte in der Pressekonferenz später Vivianne Miedema ihre Eindrücke schildern: "Wir haben richtig gut gespielt und verdient gewonnen. Natürlich hoffe ich, dass auch ich in den nächsten Spiel mal treffe. Aber es ist natürlich auch gut für uns, dass andere Tore schießen können und wir nicht so leicht auszurechnen sind", meinte die Starstürmerin.

Nach dem kaum zu erwartenden Erfolg über Norwegen haben Niederländerinnen das Tor zum Viertelfinale bereits weit aufgestoßen. Und die Euphorie im Land hat sich offenbar auch schon auf die Spielerinnen übertragen: "Wir waren eine Klasse besser als Norwegen. Und mit der Unterstützung unserer tollen Fans sollte in den nächsten Tagen noch so einiges drin sein", freute sich Mittelfeldspielerin Danielle van de Donk.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 17.07.17 17:00 Uhr