Frauenfußball-Bundestrainerin Steffi Jones (4.v.l.) im Kreis ihrer Mannschaft bei einem Testspiel vor der EM 2017. © imago

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Zum EM-Auftakt: Was macht Steffi Jones anders?

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Die neue Zeitrechnung läuft seit elf Monaten - nun geht's für Steffi Jones in die erste EM als Bundestrainerin. Vor dem Auftakt gegen die Schwedinnen am Montag (17.07.2017, 20.45 Uhr, live im Ersten und im Livestream) erklärt sportschau.de, was unter ihr anders ist. Auf dem Platz - und daneben.

Ihren Dienst trat Steffi Jones mit der größtmöglichen Bürde an. Bundestrainerin Silvia Neid übergab nach den Olympischen Spielen 2016 den Staffelstab, nachdem sie zum Abschied mit den DFB-Frauen in Rio die Goldmedaille gewonnen hatte. Jones war damals schon dabei. Die als Cheftrainerin gänzlich unerfahrene Fußballlehrerin hatte ein Jahr lang der "Lichtgestalt" des deutschen Frauenfußballs über die Schulter geblickt. Am 16. September 2016 saß die 44-Jährige dann das erste Mal als "Boss" auf der Trainerbank - und macht seitdem vieles anders.

Für jeden sichtbar ist das neue Spielsystem. Anders als ihre Vorgängerin setzt Jones auf ein 4-4-2 (statt 4-5-1) - also mit zwei Stürmerinnen, was ihr besonders wichtig ist, und im Mittelfeld mit einer Raute. Doch dieses System ist nur ein Gerüst. "Silvia hatte einen klaren Plan, auf dem Platz wusste jede, was sie zu tun hat", sagte Olympiasiegerin Lena Goeßling sportschau.de und fügte hinzu: "Jetzt ist das alles freier."

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Das deutsche EM-Aufgebot in Bildern

"Wir spielen sehr, sehr guten Fußball"

Etatmäßig ist Sara Däbritz die Frau auf der "Sechs", eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Jüngste im Kader. Dabei komme ihr aber nicht allein die Rolle zu, Spielmacherin Dzsenifer Marozsan den Rücken freizuhalten, betonte die 22-Jährige: "Wir spielen im Mittelfeld sehr variabel und flexibel. Alle können auf allen Positionen spielen. Wir verstehen uns sehr gut, alle können machen, was sie wollen." Zum Mittelfeld-Quartett gehörten bei der Generalprobe gegen Brasilien (3:1) zudem Linda Dallmann und Lina Magull. Jones appelliert an Spielwitz und Kreativität ihrer Spielerinnen und fordert "attraktiven und modernen Offensivfußball". Gegen die Südamerikanerinnen hätten sich ihre Schützlinge allerdings "teilweise sogar verkombiniert". Marozsan, die Jones zu ihrer Kapitänin gemacht hat, lobte bei der Pressekonferenz am Freitag (14.07.2017) in den Niederlanden: "Wir haben uns sehr gut weiterentwickelt. Man sieht, dass wir einen sehr, sehr guten Fußball spielen."

Eine Comicfigur für jeden

Frauenfußball-Bundestrainerin Steffi Jones. © dpa bildfunk Fotograf: Carmen Jaspersen

Steffi Jones wählte als Comicfigur für sich selbst Charlie Brown aus.

Nicht für jeden sichtbar ist, was zwischenmenschlich in der Mannschaft passiert. Bevor sich der insgesamt 50-köpfige Reisetross - also sieben Betreuer und Trainer mehr als Spielerinnen im Kader - auf den Weg in die Niederlande machte, hatte Jones eine Überraschung für alle parat. Nach dem Motto "Wenn du eine Comicfigur wärst ..." hatte sie sich für jeden einen passenden Charakter überlegt. Für die Führungsspielerinnen Marozsan (Robin Hood), Almuth Schult (Schlaubi Schlumpf) und Däbritz (The Flash), aber auch für EM-Neulinge wie Hasret Kayikci (Super Maus), Tabea Kemme (Silversurfer) und Isabel Kerschowski (Die Menschliche Fackel) - bis hin zu Pressesprecherin Annette Seitz (Karla Kolumna). "Das war eine super Idee", lobte Däbritz. Womöglich auch, damit niemand einen Grund zum Hadern hatte, wählte Jones für sich selbst den sympathischen Verlierertypen Charlie Brown.

"Keine Angst, Fehler zu machen"

Sara Doorsoun fühlt sich im Nationalteam pudelwohl: "Das Klima ist richtig gut. Das ist kein Spruch, sondern stimmt wirklich. Bei uns braucht niemand Angst zu haben, Fehler zu machen", sagte die Essenerin sportschau.de. Das ist umso wichtiger, weil ein personeller Umbruch vollzogen worden ist. Einerseits, weil einige ältere Spielerinnen um Saskia Bartusiak zurückgetreten sind. Andere wie Alexandra Popp fallen verletzt aus. Doorsouns Vereinskameradin Linda Dallmann sieht einen "sehr guten Zeitpunkt, um jetzt reinzustoßen". Nicht nur im Vergleich zu Neid ist Jones' große Stärke die Kommunikation. "Steffi ist sehr herzlich, sie bringt etwas Warmes in die Mannschaft", unterstreicht Dallmann.

Alles anders? Bloß nicht!

Bei allem Neuen, eines soll gleich bleiben: "Wir wollen Europameister werden", betont nicht nur Däbritz, auch Jones hat dieses Ziel früh als alternativlos bezeichnet. Die DFB-Frauen haben zuletzt sechsmal in Folge die Euro gewonnen, haben insgesamt acht Titel geholt. Die Bundestrainerin weiß, wie man den Kontinentaltitel gewinnt - 1997, 2001 und 2005 stand sie selbst als Spielerin im Kader. Dass die Männer in diesem Sommer den Confed Cup und die U21-EM gewonnen haben, soll zusätzliche Motivation liefern. Den Mannschaftsbus haben die Frauen schon mal direkt übernommen und Däbritz unterstreicht: "Die Titel sind Ansporn für uns." Und dann ist da ja auch noch die Rekordprämie: Sollten Marozsan und Co. mit dem Pokal nach Hause zurückkehren, würde es 37.500 Euro für jede Spielerin geben. Damit sind die Frauen in ganz neue Sphären vorgestoßen: 2013 waren es noch 22.500, vier Jahre zuvor 12.000 Euro.

Als Silvia Neid 1989, damals noch als Spielerin, erstmals den EM-Titel holte, erhielt jede Spielerin vom DFB das schon legendäre Kaffeeservice. Seitdem hat sich wirklich viel verändert.

Die deutsche Frauenfußball-Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan (M.) beim Training in Sint-Michielsgestel © picture alliance/dpa Fotograf: Carmen Jaspersen

01:32 min | 14.07.2017 | Das Erste | Autor/in: Patrick Halatsch

DFB-Team fühlt sich im EM-Quartier "pudelwohl"

Deutschlands Fußballerinnen fiebern ihrem EM-Auftakt gegen Schweden entgegen. Die Bedingungen im EM-Quartier vor den Toren von 's-Hertogenbosch könnten kaum besser sein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 15.07.17 11:49 Uhr