Linda Dallmann © imago/Hartenfelser

Deutsches Team

Shootingstar Dallmann und die Rasselbande

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Steffi Jones hat den Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gehörig umgekrempelt. In den Niederlanden sind gleich ein Dutzend EM-Debütantinnen dabei - und nicht wenige haben gute Chancen, am Montag (17.07.2017) beim Auftakt gegen Schweden in der Startelf zu stehen. Allen voran die Essenerin Linda Dallmann.

Die Bundestrainerin kommt aus dem Schwärmen kaum heraus: "Linda Dallmann ist unser Shootingstar." Die 22-Jährige selbst gibt das Lob gern zurück und staunt im Gespräch mit sportschau.de: "Steffi glaubt an mich und vertraut mir. Es geht alles so schnell." Erst zehn Monate ist es her, dass die Mittelfeldspielerin der SGS Essen ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gefeiert hat. Und seitdem sind gerade einmal vier weitere Partien hinzugekommen. Doch besonders in den vergangenen Wochen hat Dallmann mächtig Eindruck gemacht. Nicht zuletzt bei der EM-Generalprobe in Sandhausen gegen Brasilien (3:1), als sie von Beginn an im rechten Mittelfeld wirbelte und Deutschland mit ihrem zweiten Länderspieltor in Führung brachte.

"Habe mich nicht getraut, Marozsan anzusprechen"

Normalerweise kommt der Jungspund eher zurückhaltend daher. Bei ihrer ersten EM-Pressekonferenz am Donnerstag (13.07.2017) richtete für Dallmann Mitspielerin Sara Däbritz auf dem Podium das Mikrofon. Auf die Frage "Wie groß bist Du eigentlich?" antwortete die Essenerin schmunzelnd: "Auf jeden Fall zu klein für das Mikro. Mit meinem Dutt komme ich an einem guten Tag auf 1,58 Meter." Außerdem berichtete Dallmann von ihrem ersten Treffen mit ihrem Vorbild Dzsenifer Marozsan, die unter Jones zur Kapitänin aufgestiegen ist. "Ich bin der größte Marozsan-Fan. Am Anfang habe ich mich noch nicht mal getraut, sie anzusprechen." Mittlerweile kann die gebürtige Dinslakerin aber "einfach genießen", mit ihr auf dem Platz zu stehen. Dallmann dürfte ihren Platz im Team wie Marozsan sicher haben.

Linda Dallmann (M.) und Sara Däbritz (l.) bei der Pressekonferenz der DFB-Frauen © NDR

01:05 min | 13.07.2017 | Das Erste | Autor/in: Laura Trust

Dallmann und Däbritz: Viel Freude, wenig Druck

Linda Dallmann freut sich bei der Frauen-EM in den Niederlanden auf ihr erstes großes Turnier, Sara Däbritz auf den Auftakt gegen Schweden.

EM statt Studium in Bochum

Ihren Trainer in Essen überrascht das nicht. "Linda ist fußballerisch und auch taktisch auf einem ganz hohen Niveau", erklärt Daniel Kraus sportschau.de und fügt hinzu: "Sie ist im positiven Sinne fußballverrückt und macht sich auch viele Gedanken um Details." Um sich voll auf die EM konzentrieren zu können, hat Dallmann ihr Sport-Studium in Bochum ein bisschen zurückgefahren.

Dabei hatte sich Dallmann eigentlich vorgenommen, "mir nicht zu viele Hoffnungen zu machen, nicht zu verbissen zu sein". Nach der U20-WM in Kanada vor drei Jahren sei sie wegen privater Probleme in ein tiefes Loch gefallen. Ihre Leistungen waren danach sehr schwankend. Ihr Trainer in Essen, damals noch Markus Högner, habe ihr dennoch das Vertrauen geschenkt und damit zurück in die Spur geholfen. Eben jener Högner, der nun als Co-Trainer von Jones auch in den Niederlanden dabei ist. "Ich muss im Kopf frei sein und das bin ich wieder. So habe ich Spaß am Fußball", sagt der Shootingstar. Überhaupt sei der Zeitpunkt, ins Team zu kommen, durch den vollzogenen Umbruch nahezu ideal.

Weitere Startelfkandidatinnen

Viele Neulinge staunen, wie sehr Jones auf die Eindrücke in der Bundesliga und nun im Training achtet - und ihre Entscheidungen davon abhängig macht. Dadurch treibt sie nicht nur die Neulinge täglich weiter zu Höchstleistungen an. Zu diesen gehört auch Kristin Demann, der nach der endgültigen Nominierung "ein riesiger Stein vom Herzen gefallen" war. "Früher habe ich solche Turniere vor dem Fernseher verfolgt. Jetzt bin ich selbst dabei - und ich will erfolgreich zurückkommen", sagt die Verteidigerin, die nach der EM nicht nach Hoffenheim zurückkehrt, sondern zum FC Bayern wechselt. Um den Umzug und die Wohnungseinrichtung kümmern sich gerade die Eltern. Die 24-Jährige könnte neben Abwehrchefin Babett Peter von Beginn an auflaufen. Auch Rechtsverteidigerin Anna Blässe und die Linksverteidigerinnen Isabell Kerschowski (beide VfL Wolfsburg) und Carolin Simon sowie Lina Magull und Hasret Kayikci (alle aus der Talentschmiede des SC Freiburg) haben gute Startelfchancen. Insgesamt 13 Spielerinnen haben weniger als 20 Länderspiele in ihrer Vita stehen. Insgesamt waren zwölf Akteurinnen noch nie bei einer Frauen-EM im Einsatz.

Das "Küken" ist ein "alter Hase"

Kurioserweise gehört die Jüngste im Kader nicht zu den Debütantinnen, sondern längst zu den "alten Hasen". Sara Däbritz war aufgrund einiger Ausfälle vor vier Jahren bereits mit 18 Jahren beim EM-Titelgewinn in Schweden dabei. "Mittlerweile habe ich ein paar Turniere gespielt und dadurch ein paar Erfahrungswerte", erklärt die 22 Jahre alte Olympia-Siegerin sportschau.de. Wie das "Küken" des Teams kommt sich die Mittelfeldspielerin vom FC Bayern schon lange nicht mehr vor, aber auch sie sagt: "Ein großes Turnier ist immer etwas ganz Besonderes und ich freue mich sehr auf diese EM."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 13.07.17 16:15 Uhr