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01:49 min | 23.05.2017 | Das Erste

Frauen-EM 2017: 16 Teams, ein Traum

Bei der Endrunde in den Niederlanden ermitteln erstmals 16 statt wie bisher zwölf Teams den Frauenfußball-Europameister. Alle Mannschaften eint ein großer Traum.

Hintergrund

Gruppe C: Frankreich will kein Favorit mehr sein

Frankreich

Der Weltmeisterschafts-Gastgeber von 2019 "spazierte" durch die Qualifikationsgruppe 3. Nach acht Partien schlugen acht Siege und 27:0 Tore für "Les Bleues" zu Buche. Trotz dieser beeindruckenden Bilanz musste Trainer Philippe Bergeroo im vergangenen September seinen Hut nehmen. Dem früheren französischen Nationaltorhüter war das Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gegen Kanada (0:1) zum Verhängnis geworden. Der Verband, die Fédération Française de Football (FFF), hatte einen Podestplatz als Ziel für das Turnier in Brasilien ausgegeben. Zudem sorgte Bergeroo mit einigen unpopulären Personal-Maßnahmen für Irritationen innerhalb des Teams. So wurde in Mittelfeldakteurin Gaëtane Thiney eine der langjährigen Stützen der Mannschaft "Opfer" des Verjüngungsprozesses, den der Coach vorantrieb. Als Nachfolgerin Bergeroos wollte die FFF eigentlich Corinne Diacre installieren. Die Trainerin des Männer-Zweitligisten Clermont Foot sagte jedoch ab. Als neuer Mann auf der Kommandobrücke wurde schließlich überraschend Olivier Echouafni präsentiert, der bis dahin noch kein Frauenteam betreut hatte.

Neuer Trainerstab setzt auf variableres Offensivspiel

Die französischen Frauenfußball-Nationalspielerinnen Marie-Laure Delie und Gaetane Thiney (v.l.) © imago/PanoramiC

Marie-Laure Delie (l.) fand lobende Worte für die Arbeit von Offensiv-Trainer Frédéric Née.

Der 44-Jährige war zuvor für die Männer des SC Amiens und FC Sochaux tätig und arbeitete vor seiner Anstellung bei der FFF als TV-Kommentator für "France 3". Eine der ersten Maßnahmen Echouafni war es, in Frédéric Née einen Offensiv-Trainer in seinen Stab aufzunehmen. Damit war klar, dass der Bergeroo-Nachfolger ein großes Augenmerk bei seiner Arbeit auf ein variableres Angriffsspiel legen würde. Sowohl bei der EM 2013 als auch der WM 2015 und bei Olympia 2016 waren die technisch und spielerisch exzellenten Französinnen letztlich daran gescheitert, im letzten Drittel des Gegners zu wenige Lösungen gefunden zu haben. Ein Problem, das nun bald der Vergangenheit angehören könnte. Nées Arbeit findet beim Team jedenfalls große Zustimmung. "Er weiß, wovon er spricht und ist jemand, der unser Spiel wirklich optimieren kann", sagte Stürmerin Marie-Laure Delie (Paris Saint-Germain).

Siege gegen USA und England beim "Shebelieves Cup"

Einen ersten Achtungserfolg konnten Echouafni und sein Trainerstab bereits feiern. Im März dieses Jahres gewannen die Französinnen das hochkarätig besetzte Einladungsturnier um den "Shebelieves Cup". Dabei wurden in Gastgeber und Weltmeister USA (3:0) sowie dem WM-Dritten England (2:1) zwei Schwergewichte des Frauenfußballs bezwungen. Gegen Olympiasieger und Europameister Deutschland gab es zudem ein torloses Remis.

Viel Erfahrung und einige Youngster im Aufgebot

Der französische Frauenfußball-Nationalspielerin Wendie Renard © imago/Icon SMI

Führt die FFF-Auswahl als Kapitänin aufs Feld: Verteidigerin Wendie Renard.

Dieselben 23 Spielerinnen, die Echouafni für den Amerika-Trip nominiert hatte, berief der Coach nun auch in den EM-Kader. Darunter ist in Thiney auch jene Akteurin, für die sein Vorgänger Bergeroo keine Verwendung mehr hatte. Ansonsten setzte der Übungsleiter auf viele andere langjährige Leistungsträgerinnen wie Keeperin Sarah Bouhaddi, Abwehrchefin Wendie Renard, die Kreativkräfte Cemillie Abily und Amandine Henry, die erfahrenen Stürmerinnen Delie, Eugénie Le Sommer sowie Elodie Thomis und einige Youngster wie die gerade einmal 20 Jahre alte Mittelfeldspielerin Grace Geyoro.

Favorit? "Damit bin ich nicht einverstanden!"

Trotz des Erfolgs beim "Shebelieves Cup", Weltranglistenposition drei sowie der vielen Ausnahmespielerinnen in seinem Aufgebot, stapelt Echouafni tief. Da seine Mannschaft in den vergangenen Jahren trotz hoher eigener Ansprüche immer wieder vorzeitig gescheitert sei, müsse man nun "sehr bescheiden sein" und "Demut zeigen". Er sei damit "nicht einverstanden", dass "Les Bleues" für viele Experten und Trainer wie in den Vorjahren zum Favoritenkreis zähle. "Favoriten sind Mannschaften, die Titel gewonnen haben: Deutschland und Norwegen. Und auch die Niederlande, die sicher von vielen Fans unterstützt wird", erklärte Echouafni. Er warb mit dem Verweis auf den Umbruch, in dem sich sein Team gerade befinde, um Geduld. "Die WM ist in zwei Jahren", sagte der Trainer und verdeutlichte damit, dass sein Augenmerk darauf liegt, eine schlagkräftige Mannschaft für die Heim-Weltmeisterschaft aufzubauen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 28.06.17 12:38 Uhr