Dänemarks Nationaltorhüterin Stina Petersen (l.) kann ihren Fehler nicht mehr ausbügeln. © imago/Jan Huebner Fotograf: Huebner/Voigt

00:53 min | 30.07.2017 | Das Erste

Fatale Fehlgriffe - EM-Torhüterinnen in Not

Es ist nicht gerade die EM der Torhüterinnen - ganz im Gegenteil. Viele Schlussfrauen haben beim Turnier in den Niederlanden schon entscheidend daneben gegriffen. Eine Auswahl!

Torhüterinnen

Die Keeperinnen haben Luft nach oben

Die deutsche Torhüterin Almuth Schult blieb in allen EM-Spielen fehlerfrei. Das kann man von einigen ihrer Kolleginnen allerdings nicht behaupten. Die kapitalen Torwartfehler geben Anlass zu Diskussionen.

Es läuft die dritte Minute im EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Dänemark: Die DFB-Linksverteidigerin Isabel Kerschowski zieht mit dem Ball am Fuß in die Mitte, schießt dann mit dem rechten Fuß in Richtung gegnerischer Kasten. Der Ball segelt auf die Mitte des Tores zu - und wird dort eine sichere Beute von Keeperin Stina Lykke Petersen. Denkste! Der Schlussfrau der Däninnen rutscht die Kugel beim Abwehrversuch über ihre rechte Hand hinweg ins Netz. Der nächste Torhüterinnen-Patzer des EM-Turniers in den Niederlanden ist perfekt!

Die Leistungen der Schlussfrauen sind schon viel diskutiert worden bei der laufenden Frauenfußball-Europameisterschaft. Zunächst hatte die Expertenschaft den Eindruck, das Niveau habe sich gegenüber den vergangenen Großereignissen auf dieser Position verbessert. Im Laufe des Turniers kam es dann aber doch wieder zu eine ganzen Reihe von Fehlern auf und vor der Linie.

Schottlands Gemma Fay gegen Spanien im Fokus

Schottlands Keeperin Gemma Fay greift am Ball vorbei, © imago

Zwischen Kreis- und Weltklasse: Schottlands Keeperin Gemma Fay.

Wobei die Leistungen sehr schwankend sind. Einen der "Höhepunkte" erlebte sicherlich Schottlands Torfrau Gemma Fay in der Vorrundenpartie gegen Spanien. Da schrieb sie die Geschichte des Spielverlaufs beinahe ganz allein. Die Keeperin, die in diesem Sommer von Celtic Glasgow zu UMF Stjarnan nach Island wechselte, stand ein halbes Dutzend Mal im Mittelpunkt des Geschehens und wechselte in ihrem Niveau munter zwischen Kreis- und Weltklasse umher. Auch Spaniens Torfrau Sandra Panos blieb in dieser Partie nicht ohne Fehl und Tadel.

Patzer haben häufig Gegentore zur Folge

Die Reihe der Keeperinnen, die teils folgenschwer patzten, lässt sich munter fortsetzen: Im deutschen Vorrunden-Spiel gegen Italien ließ deren Schlussfrau Laura Giuliani nach Dzsenifer Marozsans weiter Freistoß-Flanke ließ den harmlosen Ball durch die Finger gleiten. Hinter ihr bedankte sich die aufgerückte Innenverteidigerin Josephine Henning und nickte zum deutschen Führungstor ein. In der Partie Österreich gegen Island rutschte Gudbjörg Gunnarsdottir die Kugel nach einer Flanke aus den Händen - Sarah Zadrazil bedankte sich dafür mit dem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0.

Portugals Keeperin Patricia Morais schoss in der Partie gegen England unbedrängt Toni Duggan an, die geistesgegenwärtig reagierte und den Ball per Heber ins verwaiste Gehäuse beförderte. Die niederländische Torfrau Sari van Veenendaal kassierte gegen Belgien einen Gegentreffer aus gut 30 Metern Entfernung. Russlands Keeperin Tatjana Schtscherbak patzte beim 0:2 gegen Schweden gleich doppelt. Und die Schweiz kostete ein fataler Fehler ihrer Schlussfrau Gaelle Thalmann im letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich sogar den Einzug ins Viertelfinale.

Warum patzen die Keeperinnen?

Dänemarks Theresa Nielsen (l.) überwindet Deutschlands Torhüterin Almuth Schult (r.). © imago/Jan Huebner Fotograf: Huebner/Voigt

Patzer-frei: Almuth Schult (r.) konnte das deutsche EM-Aus gegen Dänemark nicht verhindern.

Eine einzige Erklärung für die Häufung der Patzer bei dieser EM-Endrunde gibt es sicher nicht. Oft sind es unglückliche Aktionen der Protagonistin oder eine Verkettung unglücklicher Ereignisse in der Defensivarbeit. DFB-Keeperin Almuth Schult sagte nach der Vorrunde, dass sie bei Fehlern ihrer Kolleginnen stark mitleide. Sie nannte als einen möglichen Grund für die "Fehlgriffe" auch die Nervosität, wenn ein Spiel plötzlich vor mehreren Tausend Zuschauern im Stadion absolviert werden müsse. Zudem stünden zum Beispiel die Gastgeberinnen auch unter großem Erfolgsdruck. Ungewohnte Platzverhältnisse, ein neuer Spielball - auch das sei für viele Torhüterinnen ungewohnt. "Die Rahmenbedingungen bei der EM sind einfach anders. Dadurch kann man auch aufgeregt sein und den ein oder anderen Fehler machen", sagte Schult.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 30.07.2017 | 17:20 Uhr

Stand: 30.07.17 16:49 Uhr