Claus Lufen mit Nia Künzer.

01:33 min | 16.07.2017 | Das Erste | Autor/in: Claus Lufen, Nia Künzer

Vor dem Schweden-Spiel - Warmmachen in Breda

Es kann losgehen mit der EM für die deutsche Mannschaft: Claus Lufen und Nia Künzer sind schon am Stadion in Breda und analysieren die Chancen im Klassiker gegen Schweden.

Künzer: "Deutschland hat unglaubliches Potenzial"

Wer könnte den DFB-Frauen für das EM-Spiel heute Abend gegen Schweden mehr Glück bringen als Nia Künzer? Die Golden-Goal-Schützin des WM-Triumphs von 2003 weilte beim deutschen Abschlusstraining im Stadion von Breda. Sportschau.de bat die ARD-Expertin zum Gespräch.

Lang, lang ist's her - aber auch Nia Künzer hat den schwedischen Fußballerinnen einen harten Schlag verpasst. Die heute 37-Jährige schoss Deutschland bei der WM 2003 in den USA gegen die Skandinavierinnen zum Titel. Bei der EM in den Niederlanden treffen die DFB-Frauen schon im ersten Gruppenspiel am Montag (17.07.2017, ab 20.45 Uhr im Ersten und im Livestream) auf ihren "Lieblingsgegner". Während des Abschlusstrainings von Bundestrainerin Steffi Jones sprach Nia Künzer im Interview mit sportschau.de über die EM-Chancen der jungen deutschen Mannschaft, leuchtende Augen und natürlich die Schwedinnen.

Nia, wie ist dein Eindruck von den "jungen Wilden"?

Nia Künzer: Die Stimmung scheint sehr gut zu sein. Schon beim Warmmachen ist großes Gekicher angesagt. Die sind gut drauf, aber es gibt im Moment ja auch gar keinen Grund, nicht gut drauf zu sein. Von daher steigt bei allen - bei mir, bei der Mannschaft - die Vorfreude, dass es endlich losgeht.

Ein Wort zum Gegner: Man kann schon sagen, dass das Duell mit Schweden ein Klassiker ist, oder?

Künzer: Absolut! Das ist im Frauenfußball einer der Klassiker schlechthin. Schweden hat die letzten entscheidenden Spiele, sagen wir es mal so vorsichtig, immer verloren - zuletzt das olympische Finale. Von daher haben sie immer noch ihre Rechnungen offen mit uns. Sie werden versuchen, auch wenn es "nur" ein Vorrundenspiel ist, ein Ausrufezeichen zu setzen und die Deutschen zu ärgern. Sie sind sicherlich in der Lage, lange die Null zu halten und auch Akzente nach vorne zu setzen. Aber die Qualität ist eigentlich auf Seiten der Deutschen. Es sind viele Neue, Unerfahrene dabei, aber mit unglaublichem Potenzial.

Laura Trust und Nia Künzer © NDR Fotograf: Florian Neuhauss

01:40 min | 16.07.2017 | Das Erste | Autor/in: Laura Trust / Nia Künzer

Künzer: Deutschland hat mehr Qualität

ARD-Frauenfußball-Expertin Nia Künzer analysiert im Gespräch mit Laura Trust Stärken und Schwächen von Deutschlands Auftaktgegner Schweden. Sie blickt optimistisch auf die Partie.

Steffi Jones spielt mit zwei Spitzen, was hältst du von dem System?

Künzer: In der Vergangenheit haben viele Mannschaften gegen Deutschland tief gestanden und waren sehr darauf bedacht, nicht sofort in Rückstand zu geraten. Wenn die Defensive gut steht, fällt es vielen Mannschaften schwer, zu agieren und zu Torchancen zu kommen. Mit zwei Spitzen ist die Variabilität mehr gegeben, gerade wenn ich technisch so gute Spieler habe wie im deutschen Team. Für uns als Zuschauer ist es außerdem sehr attraktiv, weil sie offensiv und mutig nach vorne spielen. Im Moment ist das System die richtige Lösung. Aber ob das im K.o.-Spiel gegen zum Beispiel Frankreich dann so offensiv gespielt werden kann, steht noch in den Sternen.

Bei einer Spielerin fangen deine Augen ein bisschen an zu leuchten. Wer ist das?

ARD-Expertin Nia Künzer im Sportschau-EM-Wohnwagen © Florian Neuhauss

Nia Künzer schoss Deutschland 2003 zum WM-Titel - gegen Schweden!

Künzer: (lacht) Mir wird immer nachgesagt, dass ich schon lange von Dzsenifer Marozsan schwärme. Ich begleite sie schon über Jahre - passiv sozusagen. Ihr Potenzial war schon lange erkennbar. Technisch muss sie niemanden mehr überzeugen. Ihre Leistungen waren jedoch in noch jüngeren Jahren ein bisschen wechselhaft. Aber sie hat sich enorm entwickelt. Zum einen hat ihr der Schritt nach Lyon persönlich gut getan. Ihr Reifeprozess ist damit deutlich vorangeschritten. Bei diesem Topteam, wo es in jedem Training gilt, an die Grenze zu gehen, hat sie allerdings auch athletisch noch mal einen drauf gesetzt.

Und wie macht sie sich als Kapitänin?

Künzer: Leistungsträgerin war sie schon häufig. Und jetzt ist sie durch ihre Kapitänsrolle im Nationalteam noch mal richtig in die Verantwortung genommen worden. Sie ist kein Lautsprecher und ich war ein bisschen skeptisch, ob sie die Funktion überhaupt möchte. Aber sie hat es angenommen und macht das gut. Sie ist in der Mannschaft zu 100 Prozent akzeptiert - durch ihre fußballerischen Fähigkeiten, aber auch als Typ, der sich für andere einsetzt, der andere versucht mitzunehmen. Und ich wünsche mir, dass sie dem Turnier mal so richtig den Stempel aufdrückt.

Auch wenn das eine gemeine Frage ist: Wie weit kommen die Deutschen?

Künzer: (lacht) Das ist vor dem ersten Spieltag, wenn keiner weiß, wo er genau steht, schwierig. Aber die Mannschaft hat die Qualität, ins Finale zu kommen und sie hat auch das Potenzial, Europameister zu werden. Alles andere wird sich im Turnier entscheiden. Man muss sich als Team entwickeln und zum Halbfinale und Finale die Topleistung abrufen. Nicht schon im ersten Spiel.

Das sportschau.de-Interview führte Laura Trust - aufgezeichnet von Florian Neuhauss.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 17.07.17 11:03 Uhr