Die deutsche Fußballnationalspielerin Dzsenifer Marozsan © picture alliance/dpa Fotograf: Patrick Seeger

Deutsches Team

Geniale Marozsan - die Beste der Welt?

Dzsenifer Marozsan ist längst ein großer Star im Frauenfußball. Für Bundestrainerin Steffi Jones ist Marozsan gar "die weltbeste Spielerin". Ihre Titelsammlung ist bereits beachtlich: Olympiasiegerin, Europameisterin, Pokalsiegerin in Frankreich und Deutschland, französische Meisterin und zweimalige Champions-League-Siegerin. Gerade wurde sie außerdem zur Fußballerin des Jahres gewählt - ausgerechnet in Frankreich. Die Französinnen sind Deutschlands vielleicht größte Konkurrentinnen im Kampf um den EM-Titel 2017.

Besser hätte das Jahr für Dzsenifer Marozsan gar nicht laufen können. Mit ihrem Wechsel vom 1. FFC Frankfurt zu Olympique Lyon hat die 25-Jährige alles richtig gemacht. "Diese Saison war unglaublich. Ich bin so glücklich und genieße den Moment", sagte die Spielmacherin nach dem erneuten Gewinn der Champions League, ihrem zweiten. Der 7:6 (0:0)-Erfolg nach Elfmeterschießen im Finale der Königsklasse gegen Paris St. Germain war bereits das Sahnehäubchen auf eine berauschende Spielzeit, in der Marozsan mit ihrem neuen Team auch den Titel in der Division 1 und den Pokal gewonnen hat. In den Niederlanden könnte nun noch die Kirsche in Form des EM-Titels auf die Sahne gesetzt werden. Bundestrainerin Steffi Jones glaubt an ihre Kapitänin: "Für mich ist sie die weltbeste Spielerin."

"Das war immer mein Traum"

In Frankreich hat die Edeltechnikerin noch einmal einen Schritt nach vorn gemacht. "Ich fühle mich unendlich wohl. Es macht riesig viel Spaß. Ich habe eine tolle Mannschaft und es ist einfach eine Freude, jeden Tag ins Training zu gehen und auf höchstem Niveau zu trainieren. Das war immer mein Traum", erklärte Marozsan. Zum Team, das sogar von Staatspräsident Emmanuel Macron empfangen wurde, gehören in Josephine Henning und Pauline Bremer zwei weitere deutsche Nationalspielerinnen. Zur Belohnung für die herausragende Saison spendierte Olympique seinen Spielerinnen ein Wochenende in Saint-Tropez.

Herausragend im Olympia-Finale

Mittlerweile sollten sich die drei vom Feiern erholt haben. Besonders von der Form Marozsans wird der Erfolg des Nationalteams in den Niederlanden entscheidend abhängen. Wie groß ihr Stellenwert in der DFB-Auswahl ist, wurde spätestens in Rio de Janeiro klar, als die Mittelfeldspielerin das Finale gegen die Schwedinnen (2:1) praktisch im Alleingang entschied. Zunächst traf sie mit einem herrlichen Schuss aus 14 Metern genau in den Winkel, dann landete ein Marozsan-Freistoß erst am Pfosten, aber vom Bein einer Gegnerin zum zweiten Treffer im Netz. "Je älter sie wird, umso besser wird sie", lobte sogar die sonst nicht für Überschwang bekannte damalige Bundestrainerin Silvia Neid.

Rekordhalterin: Bundesliga-Debüt mit 15

"Maro" hat die Fußball-Gene von ihrem Vater geerbt. Janos Marozsan war ungarischer Nationalspieler. Und als er 1996 beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken anheuerte, zog die Familie mit dem neunjährigen David und der vier Jahre alten Dzsenifer von Budapest ins Saarland um. Das Mädchen bewies schnell selbst ihr außergewöhnliches Talent, das sie über den DJK Burbach ebenfalls zum 1. FC Saarbrücken führte. Mit dessen Frauenmannschaft stieg die Teenagerin 2007 in die Erste Liga auf und lief schon als 15-Jährige erstmals in der Bundesliga auf. Damit stellte sie einen bis heute gültigen Rekord auf. Die Filigrantechnikerin durchlief alle Auswahlmannschaften, wurde U17-Europameisterin (2008), und U20-Weltmeisterin (2010). 2008 holte sie bei EM und WM auch die Torjägerkrone. Bei der U20-Weltmeisterschaft 2012 wurde sie als beste Spielerin mit dem "Goldenen Ball" ausgezeichnet. Ihre Premiere in der A-Nationalmannschaft feierte Marozsan im Oktober 2010 beim 2:1 gegen Australien. 2013 wurde sie Europameisterin, 2015 folgte mit dem Olympia-Sieg der nächste Höhepunkt.

Jones kommt aus dem Schwärmen nicht raus

Längst ist aus dem Talent eine richtige Führungsspielerin geworden. Folgerichtig machte Neid-Nachfolgerin Jones Marozsan im Oktober 2016 zur neuen Kapitänin. "Für mich ist sie die perfekte Spielführerin. Ihr Wort hat Gewicht, sie hat ein hohes Ansehen im Team, spricht Dinge klar an und kommt auf den Punkt. Sie ist eine absolute Teamplayerin und bringt Führungsqualitäten mit", erklärte die neue Bundestrainerin. Das Vertrauen hat Marozsan bereits mit starken Auftritten gerechtfertigt - im Nationaltrikot, aber auch in Lyon. Nach der Saison wurde die Deutsche in Frankreich zur Spielerin des Jahres gewählt. Ausgerechnet Frankreich, das der vielleicht ärgste Konkurrent der DFB-Auswahl um den EM-Titel ist. Jones sieht es mit großer Freude: "Sie ist toll gereift und einfach eine geniale Fußballerin - mit ihrer Übersicht und Handlungsschnelligkeit. Sie hat sich zu einer kompletten Spielerin entwickelt."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | UEFA-Frauen-EM | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 21.06.17 10:49 Uhr