Hintergrund

Der SC Freiburg und seine Talentschmiede

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Jubel beim SC Freiburg: Carolin Schiewe (v.l.), Sandra Starke, Carolin Simon und Torschützin Lina Magull. © imago/foto2press

Die Fußballerinnen des SC Freiburg waren in der abgelaufenen Saison so gut wie nie: Rang vier und 47 Punkte sind Vereinsrekord! Das schlägt sich auch im EM-Aufgebot nieder: Gleich fünf Freiburgerinnen nimmt Bundestrainerin Steffi Jones mit in die Niederlande. Sportschau.de hat sich auf die Suche nach dem Freiburger Erfolgsgeheimnis gemacht.

23 Spielerinnen umfasst der endgültige Kader des DFB für die Frauen-EM. Dass Doublesieger VfL Wolfsburg fünf Spielerinnen stellt, ist nicht überraschend. Aber gleichauf sind nicht etwa Bayern München, Potsdam oder Frankfurt. In Lena Petermann, Lina Magull, Laura Benkrath, Hasret Kayikci und Carolin Simon erhielten auch fünf Freiburgerinnen eine Einladung für die Reise in die Niederlande. Heike Ullrich überrascht die Wahl von Bundestrainerin Steffi Jones genauso wenig wie das gute Abschneiden des SC Freiburg in der Bundesliga: "In Freiburg wird seit Jahren hervorragende Arbeit geleistet. In dieser Saison hat der SCF die Großen nicht nur geärgert, sondern sehr selbstbewusst gespielt - und im Endspurt eine super Serie hingelegt", sagt die DFB-Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball sportschau.de. Unterm Strich steht Rang vier mit 47 Punkten - Vereinsrekord.

Die deutsche Frauenfußball-Nationalspielerin Dzsenifer Marozsan (M.) beim Training in Sint-Michielsgestel © picture alliance/dpa Fotograf: Carmen Jaspersen

01:32 min | 14.07.2017 | Das Erste | Autor/in: Patrick Halatsch

DFB-Team fühlt sich im EM-Quartier "pudelwohl"

Deutschlands Fußballerinnen fiebern ihrem EM-Auftakt gegen Schweden entgegen. Die Bedingungen im EM-Quartier vor den Toren von 's-Hertogenbosch könnten kaum besser sein.

Geld als Schlüssel zum Erfolg?

Es wäre naheliegend, den Erfolg auf die Unterstützung durch den Hauptverein zurückzuführen. Dieser stellt Managerin Birgit Bauer jährlich ein Budget zur Verfügung, ohne das die SC-Frauen trotz ihrer eigenen Sponsoren deutlich kleinere Brötchen backen müssten. Die jüngsten Erfolge lassen sich allerdings nicht allein finanziell erklären: "Das Budget ist ein guter Rahmen", erklärt Bauer, die seit 27 Jahren im Verein ist. "Wir hatten nach dem Abstieg der Männer nicht weniger, aber jetzt mit der Europa League auch nicht mehr Geld zur Verfügung." Und nach wie vor haben andere Clubs der Liga einen deutlich höheren Etat.

SCF als Pionier in der Jugendarbeit

Im Möslestadion ist vielmehr genauso wie ein paar hundert Meter weiter nordöstlich bei den Männern im Schwarzwaldstadion die Nachwuchsarbeit der entscheidende Faktor. "Unsere Basis ist immer die Jugend. Talente ausbilden - das sind wir", betont Cheftrainer Jens Scheuer. Freiburg leistete sogar Pionierarbeit - und wurde vor zehn Jahren als erster Standort im Lande überhaupt als Eliteschule des Fußballs für Mädchen und Jungen ausgezeichnet. Der Verband bescheinigt den Clubs mit einem Zertifikat eine gute Vernetzung, die es den Jugendlichen ermöglicht, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen. Der SCF hat jüngst seine 16. Bundesliga-Saison absolviert - und DFB-Direktorin Ullrich betont: "Gerade für junge Spielerinnen an der Kante zwischen Ausbildung und Fußball sind die Voraussetzungen durch die Eliteschule und die Struktur im Verein sehr gut. Freiburgs Netzwerk funktioniert."

Olympiasiegerinnen aus Freiburg

Die deutschen Fußball-Nationalspielerinnen Lena Petermann, Sara Däbritz, Melanie Behringer und Melanie Leupolz (v.l.) © picture-alliance/dpa Fotograf: Daniel Karmann

"Freiburgerinnen" unter sich: Lena Petermann, Sara Däbritz, Melanie Behringer und Melanie Leupolz (v.l.).

Zu diesem Netzwerk gehören Partnerschulen genauso wie der Olympia-Stützpunkt, an dem der SCF jährlich rund zehn Internatsplätze besetzt. Die Verantwortung beim Frauen-Bundesligisten ruht auf wenigen Schultern. Der entscheidende Mann in der Nachwuchsarbeit ist U17-Trainer Edgar Beck, der überregional sozusagen die Ein-Mann-Scoutingabteilung bildet. "Der hat es echt drauf", lobt Managerin Bauer. "Bevor junge Spielerinnen beim Länderpokal in Duisburg erstmals auf die größere Bühne treten, haben wir die Mädels durch ihn schon auf dem Schirm. Er hat richtig gute Kontakte." Ihm sei es zu verdanken, dass sich zum Beispiel einst Verena Faißt, Melanie Leupolz und Sara Däbritz für Freiburg entschieden. Leupolz und Däbritz feierten 2016 genauso wie Melanie Behringer, die aus der Region Freiburg stammt und früher auch beim SCF kickte, die Goldmedaille bei Olympia.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | UEFA-Frauen-EM | 17.07.2017 | 17:40 Uhr

Stand: 14.07.17 10:38 Uhr