Deutschlands Nationalspielerinnnen feiern den Torerfolg von Dzsenifer Marozsán. © imago/Focus Images Fotograf: Kristian Kane

01:14 min | 25.07.2017 | Das Erste | Autor/in: Jan Neumann

Russland - Deutschland 0:2

Deutschland spaziert mühelos zum Sieg über schwache Russinnen und damit auf Platz eins in Gruppe B. Die Höhepunkte in der Kurzzusammenfassung.

Deutsches Team

DFB-Team als Gruppensieger ins Viertelfinale

von Hanno Bode, sportschau.de

Deutschland hat sich durch einen 2:0 (1:0)-Sieg gegen Russland als Gruppensieger für das Viertelfinale der EM in den Niederlanden qualifiziert. Dort trifft der Rekordchampion nun am kommenden Samstag (29.7.17, 20.45 Uhr) auf Dänemark.

Wie bereits in der EM-Qualifikation, als Deutschland die Russinnen mit 4:0 und 2:0 bezwang, hatte der Titelverteidiger auch in seinem abschließenden Gruppenspiel am Dienstag (25.7.17) in Utrecht keine größeren Probleme gegen die Osteuropäerinnen. Einzig die Chancenverwertung war wie in den vorausgegangenen beiden Partien ein großes Manko. Abwehrchefin Babett Peter (10.) und Kapitänin Dzsenifer Marozsan (56.) waren jeweils per Foulelfmeter erfolgreich. Während Deutschland seine Pflichtaufgabe löste, patzte Schweden gegen Italien (2:3) und trifft als Gruppenzweiter nun auf den starken Gastgeber.

Jones erneut sehr experimentierfreudig

Bundestrainerin Steffi Jones hatte wie bereits im zweiten Gruppenspiel gegen Italien (2:1) ihre Startelf auf vier Positionen verändert. Für Linda Dallmann, Isabel Kerschowski, Josephine Henning und Leonie Maier rückten Anna Blässe (Rechtsverteidigerin), Carolin Simon (Linksverteidigerin), Sara Doorsoun (rechtes Mittelfeld) und Lena Goeßling (Innenverteidigung) in die Anfangsformation. Insbesondere die Nominierung Letzterer überraschte sehr, hatte die 31-Jährige doch über ein halbes Jahr an Sprunggelenksproblemen laboriert. Goeßlings bis dato letzter Pflichtspiel-Einsatz für ihren Verein, den VfL Wolfsburg, datiert vom 2. November des vergangenen Jahres. Wie Doorsoun stand die Allrounderin gegen Russland erstmals bei der Endrunde in den Niederlanden für die DFB-Auswahl auf dem Platz.

Peter sorgt per Strafstoß für frühe Führung

Die deutsche Nationalspielerin Babett Peter (l.) verwandelt einen Elfmeter gegen Russlands Torhüterin Tatjana Schtscherbak (r.) © imago/HMB-Media Fotograf: Heiko Becker

Babett Peter (v.) verwandelte den Strafstoß mit etwas Glück zum 1:0.

Die nicht unerhebliche personelle Rotation hatte keinen negativen Einfluss auf das deutsche Spiel. Ganz im Gegenteil: Die Jones-Elf zeigte von Beginn an zügige, sicher vorgetragene Angriffe und beförderte den Ball in Person von Mandy Islacker bereits nach rund einer Minute in die Maschen. Anerkennung fand der Treffer wegen einer Abseitsstellung der Schützin allerdings korrekterweise nicht. Bald darauf wurde Islackers Sturmpartnerin Anja Mittag von der russischen Kapitänin Anna Koschnikowa auf unlautere Art und Weise im Strafraum am Abschluss gehindert. Schiedsrichtern Monika Mularczyk (Polen) wertete das Ziehen der Verteidigerin am Trikot der Deutschen sowie einen Tritt in deren Hacken jedoch nicht als regelwidrigen Einsatz (6.). Der seltsamen Entscheidung der Unparteiischen folgten ein Schuss von Doorsoun, den Keeperin Tatjana Schtscherbak gerade noch um den Pfosten lenken konnte, sowie wenige Sekunden später ein Zweikampf zwischen Daria Makarenko und Islacker, den Mularczyk zu Ungunsten der Russin auslegte. Sie zeigte nach der Textilprobe der Verteidigerin auf den Punkt. Wie bereits gegen Italien lief Abwehrchefin Peter an. Auch diesmal war die Wolfsburgerin erfolgreich. Torfrau Schtscherbak hatte zwar noch ihre Fingerspitzen am Ball, konnte dem Ball aber keine entscheidende Richtungsänderung mehr geben - das 1:0 (10.).

Schiedsrichterin verwehrt regulärem Treffer die Anerkennung

Das DFB-Team blieb auch nach dem frühen 1:0 klar tonangebend, verpasste es gegen einen destruktiven und mutlosen Kontrahenten aber, die Führung auszubauen. Peters Kopfball nach einem Marozsan-Eckstoß konnte Schtscherbak noch an die Latte lenken (30.), beim unpräzisen Abschluss von Sara Däbritz aus aussichtsreicher Position musste die Keeperin nicht eingreifen (40.). Und dann trat kurz vor der Pause noch einmal Schiedsrichterin Mularczyk auf den Plan. Nachdem Marozsan einen weiteren Eckball gefühlvoll in den Strafraum geschlagen, Islacker verlängert und Mittag vollendet hatte, entschied die Spielleiterin auf Abseits, weil eine ihrer Assistentinnen die Fahne hob (45.). Die TV-Bilder beweisen, dass Deutschland ein zweites Mal an diesem Abend klar benachteiligt wurde.

Deutsches Team

Einzelkritik: Ideenreiche Däbritz war die Beste

Nur Marozsan trifft noch beim Chancenfestival

Gegen die auch im zweiten Abschnitt in allen Belangen überforderten Russinnen fielen die Fehlentscheidungen der Unparteiischen aus dem ersten Durchgang letztlich aber nicht ins Gewicht. Zumal Mularczyk elf Minuten nach dem Seitenwechsel gar nicht anders konnte, als zum zweiten Mal auf den Punkt zu zeigen. Diesmal hatte Margarita Tschernomyrdina Däbritz' Trikot im Strafraum einer längeren Belastungsprobe unterzogen. Nicht Deutschlands "Top-Torjägerin" Peter (zwei Turniertreffer), sondern Marozsan schnappte sich die Kugel und brachte sie ganz souverän im Gehäuse unter. Hernach besaß die DFB-Elf gegen physisch abbauende Russinnen viele gute Gelegenheiten, das Resultat aufzuhübschen. So traf die sehr bemühte und agile Doorsoun beispielsweise nur die Latte (58.). Anderen Akteurinnen wie Mittag fehlte es ebenso an Präzision und etwas Fortune. Der Abschluss dürfte dementsprechend in den kommenden Tagen weiter ein Trainingsschwerpunkt sein. Denn mit Dänemark wartet am Samstag ein anderes Kaliber als Russland auf den Titelverteidiger. Dessen ist sich auch Goeßling bewusst, die kämpferisch erklärte: "Wir müssen weitermachen. Wir haben unser Pulver noch nicht verschossen. Ich glaube, jetzt kann das Viertelfinale kommen."

Fußball UEFA-FRAUEN-EM 2017
Russland : Deutschland

25.07.17 20:45 Uhr, Spieltag 3 · Vorrunde, Gruppe B

Russland

Schtscherbak - Sijastinowa, Makarenko (28. Ek. Morosowa), Koschnikowa, Solodkaja - El. Morosowa - Sotschnewa, Tscholowjaga, Smirnowa (46. Fedorowa), Tschernomyrdina (63. Karpowa) - Danilowa

0

Deutschland

Schult - Blässe, Goeßling, Peter, Simon - Demann - Doorsoun, Däbritz (68. Magull) - Marozsán - Mittag (75. Kemme), Islacker (46. Kayikci)

2

Fakten und Zahlen zum Spiel

Ergebnis

  • 0:2 (0:1)

Tore

Strafen

Bes. Vorkommnisse

Ort

  • Utrecht

Zuschauer

  • 6458

Schiedsrichter

  • Monika Mularczyk (Polen)

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 21.07.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 25.07.17 22:37 Uhr