DFB-Kapitänin Dzsenifer Marozsán (l.) und Bundestrainerin Steffi Jones © imago/Laci Perenyi Fotograf: Laci Perenyi

01:22 min | 31.07.2017 | Autor/in: Laura Trust

Marozsán: "Das hat Steffi Jones nicht verdient"

Dzsenifer Marozsán hat vor der Abreise des DFB-Teams aus den Niederlanden ein Plädoyer für eine Weiterbeschäftigung von Bundestrainerin Steffi Jones gehalten. Das Team stehe hinter ihr, so die Kapitänin.

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DFB-Frauen stellen sich hinter Steffi Jones

von Florian Neuhauss, sportschau.de

Dzsenifer Marozsan und Co. haben sich für ihre Trainerin ausgesprochen. Das Viertelfinal-Aus hätte sich die Mannschaft allein eingebrockt. Steffi Jones muss aber noch den DFB überzeugen. Am Montagmorgen (31.07.2017) ging es erst mal auf die Heimreise.

Die Nacht war kurz - und "nicht schön", betonte Kapitänin Dzsenifer Marozsan. "Die Art und Weise, wie wir verloren haben, ist schwer zu akzeptieren. Ich nehme jede Niederlage persönlich - und diese tut sehr weh." Bundestrainerin Steffi Jones stellte am Morgen danach fest, "dass die Enttäuschung auch heute noch sehr groß ist". 1:2 gegen Dänemark, das Aus im Viertelfinale. Auch mit dem Abstand von 18 Stunden können die DFB-Frauen noch nicht fassen, dass der Traum vom siebten EM-Titel in Folge nach "einer bitteren Lehrstunde" (Jones) so abrupt vorbei ist. "Es ist schwierig, in Worte zu fassen", sagte Abwehrchefin Babett Peter. "Wir haben im Kollektiv versagt." Im Mannschaftsbus traten die DFB-Frauen am Montagmorgen die Heimreise an, um neun Uhr waren sie bereits auf der Autobahn.

Trainer-Ansprache und persönliche Gespräche

Am letzten gemeinsamen Abend im Teamquartier hatte Koch Hannes Flade noch einmal für das Team gekocht. Jones hielt eine Ansprache. "Ich glaube nach wie vor an das Potenzial der Mannschaft, in der nach Rücktritten und Verletzungen einige Spielerinnen gefehlt haben", erklärte die Bundestrainerin. "Ich bin gewillt und sehr motiviert, den Weg weiterzugehen."

Vor den Toren von 's-Hertogenbosch saßen die Mannschaft, das Trainerteam und die Betreuer am Sonntagabend (30.07.2017) noch lange zusammen. "Wir haben darüber gesprochen, woran es gelegen hat - aber auch über andere, persönliche Dinge", berichtete Peter, die zudem unterstrich: "Der Teamgeist ist intakt."

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Marozsan: "Steffi hat die Niederlage nicht verdient"

Für eine eingehende Analyse sei es noch zu früh, betonen alle drei unisono. An der Trainerin hat es aber nicht gelegen, ist sich Marozsan sicher: "Für Steffi tut es mir am meisten leid. Sie hat so viel investiert und uns sportlich bestens vorbereitet. Sie hat die Niederlage überhaupt nicht verdient. Wir haben sie im Stich gelassen und nur wegen unserer Einstellung verloren, da sind wir uns alle einig. Wir stehen voll hinter Steffi." Nach dem frühen Ausscheiden des Titelverteidigers kommt die Frage nach der Zukunft der Trainerin allerdings automatisch und DFB-Präsident Reinhard Grindel hat in einer ersten Stellungnahme ein Bekenntnis zu Jones vermieden.

Jones: "Ich nehme mich nicht aus der Verantwortung"

Die Bundestrainerin äußerte dafür Verständnis. Grindel habe sie noch am Sonntag selbst angerufen. In weiteren Gesprächen will sie dem DFB aufzeigen, "wohin der Weg gehen soll" und dann "geht es hoffentlich weiter". Dass sich die Mannschaft hinter sie stellt, freue sie sehr. "Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass sie gestern auf dem Platz mehr abgerufen hätten. Ich nehme mich nicht aus der Verantwortung. Ich treffe die Entscheidungen." Mit ihrem Dienstantritt vor einem Jahr hat Jones viele Veränderungen vorgenommen. "Der Prozess ist mittel- und langfristig. Wenn der DFB hinter mir steht, geht er diesen Weg mit", erläutert Jones.

Wer wird Europameister? Auf jeden Fall eine Premiere

Und wer folgt Deutschland als Europameister? "Alle spielstarken Teams haben sich sehr schwer getan. Es ist überraschend, wer jetzt im Halbfinale steht", meint Peter, die auf die Niederlande tippt. Den EM-Titel für "Oranje" kann sich auch Jones vorstellen. "Vielleicht trägt die Euphorie die Niederländerinnen jetzt zur Europameisterschaft", sagt die 44-Jährige, aber auch Österreich sei "aufgeblüht". Eines steht allerdings bereits fest: Ob die Niederlande, Österreich, England oder Dänemark - es wird auf jeden Fall eine Premiere geben. Denn bisher haben neben Deutschland nur Schweden (ebenfalls im Viertelfinale raus) und Norwegen (Vorrundena-Aus) jemals den EM-Titel im Frauenfußball gewonnen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau live | 30.07.2017 | 17:20 Uhr

Stand: 31.07.17 10:26 Uhr